Koslar ist mit knapp 3000 Einwohnern der größte Ort von Jülich. Ein Discounter sichert die Nahversorgung. Eine Apotheke sowie eine hausärztliche Praxis sorgen dafür, dass auch das Thema „Gesundheit“ in Koslar gut aufgestellt ist. Hinzu kommt seit letztem Jahr eine von Ortsvorsteher Peter Wagner initiierte Senioreneinrichtung.In der Bürgerhalle findet noch Vereinsleben statt, doch die einst rege Kneipenlandschaft liegt im Dornröschenschlaf, seit auch das Landgasthaus Blumenthal im vergangenen Jahr seine Pforten geschlossen hatte.
An sich seien es in Koslar nicht so viele Themen, die bearbeitet werden müssten, ordnet Ortsvorsteher Peter Wagner die Ausgangssituation von Koslar ein und lässt gerne durchblicken, dass er Koslar für einen wirklich attraktiven Wohnort hält. Und natürlich hat er auch den Wunsch, dass Koslar wachsen möge. Hier sieht Wagner Entwicklungsbedarf im Hinblick auf ein neues Baugebiet. Hinter dem Fuchsweg sei das angedacht. „Aber da hat ja alles unter Wasser gestanden.“ Wenn die Stadt ein Baugebiet erschließen möchte, müsse das natürlich gegen Hochwasser abgesichert sein, macht Wagner klar. „Für die Leute ist Koslar attraktiv mit dem großen Nahversorgungsmarkt. Viele kommen auch von auswärts hierher“, weiß er. Und auch viele junge Familien, die einst hiert gewohnt hätten, kämen gerne zurück, wenn sie nur könnten. Häuser, die von älteren Bürgern verkauft würden, gingen sofort weg, weiß der Ortsvorsteher, der bereits seit 2002 in diesem Amt ist und selbst aktiv am Vereinsleben teilnimmt.
Doch nicht alle Zukunfts-Planungen gefallen Wagner: „Was den BrainTrain angeht hat man im Ort etwas andere Interessen, als dass später mal eine Zuglinie durch die Gärten geht“, kommentiert er ein geplantes Mobilitätsprojekt im Rahmen des Strukturwandels trocken, das unter anderem Forschungsstandorte in der Region miteinander verbinden soll. Er zeigt ehemalige Lichtsignalmasten, die entlang der ehemaligen Bahntrasse und entlang von Gärten immer noch stehen und nicht entfernt werden dürften – dabei wirken sie wie aus der Zeit gefallen; einer Zeit, in der hier regelmäßig noch die so genannte Jülicher Kreisbahn verkehrte, die zum Schluss aber nur noch Güter transportiert hatte.
Was die Bürgerhalle angeht, so gehöre diese dem Dorfgemeinschaftsverein. Hier sei Koslar autark. Die Stadt gebe lediglich Zuschüsse. Auf der DEK-Wunschliste steht aber der Wunsch nach Aufwertung des Umfelds, um den gesamten Bereich um die Bürgerhalle herum flexibel mitnutzen zu können. Barrierefreiheit in der Bürgerhalle selber ist ebenfalls ein Anliegen der Bürger im Rahmen des DEK. Die Parkplätze dahinter sollten möglichst erhalten bleiben. Barrierefreiheit wünschten sich Bürger auch für die Bushaltestellen, nebst Sitzgelegenheit und Wetterschutz.
Was Wager vom Dorfentwicklungskonzept erwarte? „Im Moment nicht viel. Da sind Erwartungen geweckt worden. Da sind ja alle Maßnahmen von einer Bezuschussung des Landes abhängig“, findet er. Und was hat ihm im Zuge des DEK gefallen? „Die Veranstaltungen waren in Ordnung, da kann man nicht meckern.“ Da habe es ja zunächst die große Versammlung gegeben, wo die Bürger mit Kleinigkeiten gekommen seien, die man schnell habe lösen können. Die zweite Veranstaltung sei gut gemanaged gewesen, lobt Wagner die Stadt.
Der Herzog stellt Fragen
Was muss in den Ortschaften rund um Jülich passieren, damit sie auch in Zukunft attraktive Wohnorte bleiben – oder sich dazu entwickeln? Laut Statistischem Bundesamt wird bis Mitte 2030 die Anzahl der Menschen im Rentenalter um etwa 20% steigen. Der Verkehr als größter Verursacher von Treibhausgasen, erfordert ein Umdenken, gerade bei der Anbindung der Dörfer an die Stadt – Stichwort Mobilitätswende. Die Stadt Jülich möchte außerdem wachsen, und potenzielle Neubürger brauchen Wohnraum. Gerade zugezogene Städter beteiligen sich aber oft weniger am Vereins- und Gemeinschaftsleben der Dörfer. Dafür Lösungen zu entwickeln ist unter anderem Aufgabe von Dorfentwicklungskonzepten. Wo der Schuh am meisten drückt, möchte der HERZOG mit den Ortsvorstehern in einer Artikel-Serie klären.