Das klingt ganz schön „hip“: Welcome-Area, Escape-Room und Migrationscafé. Es gibt einen roten Teppich, Kurzfilm-Festspiele und eine Persönlichkeitsolympiade. Das englische „Workshop“ wird durch den Begriff „Aktionsbündnis“ abgelöst. Die 2. Politischen Projekttage des Christlichen Jugenddorfs Deutschland (CJD) vom 6. bis 9. November im Haus Overbach in Jülich-Barmen werfen ihre Schatten voraus. 300 Teilnehmer werden erwartet.
Noch ehe in der Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) junge Menschen als Aktivisten im besten Sinne wahrgenommen wurden und die allgemeine Meinung einer uninteressierten Jugend Lügen straften, hatte das CJD diese Altersgruppe als Mitentscheider, Mitdenker und Gestalter im Blick. Und – das ist sicher etwas ganz außergewöhnliches – berücksichtigt werden die Sichtweisen in einer Altersspanne von Kleinkind bis zu jungen Erwachsenen, die in der berufsbildende Ausbildung sind. Eine Herausforderung, wie Jörg Tranelis vom christliche Jugend-, Bildungs- und Sozialwerk, das seit 2018 gemeinsam mit den Oblaten des Hl. Franz von Sales Träger des Ensembles „Haus Overbach“ ist, einräumt.
Wie bei FFF gilt: Erwachsene sind nur Begleiter, die treibenden Kräften und inhaltlichen Gestalter sind Jugendliche. Das Ergebnis der 1. Projekttage war ein so genanntes „Jugendmanifest“. Unter den Oberthemen Verantwortung, Aufklärung, Solidarität und Chancengleichheit wurden 14 Thesen formuliert zu Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung, der Berücksichtigung von Menschen mit Handicap, Tierschutz, Friedenspolitik, demokratischem Grundverständnis und Glaubensfragen. Eine Beispiel: „Wir mahnen an, dass die verschiedenen Religionen, insbesondere die Weltreligionen, sich um Gemeinschaft untereinander bemühen und miteinander Wege suchen, um zum gegenseitigen und zum Wohlergehen der Schöpfung zu handeln.“
Diese 14 Thesen bilden nun die Grundlage der 2. Politischen Projekttage. Konkret soll es diesmal werden. Dem Leitmotiv „Gib dem Leben Raum“ folgt die klare (Auf-)Forderung: „Jetzt bist Du dran.“ Drei Tage lang geht es um Weichenstellungen für das eigene und gesellschaftliche Verhalten in der Zukunft. Der Erkenntnisgewinn wird fantasiereich und spielerisch zwischen den Projekteinheiten auf Aktionsflächen erprobt, geben Fiona Plum und Florian Kunert, Marie Franken und Michele Lindstrot vom Organisationsteam eine eindrücklich Vorschau auf das Programm. Bei der Persönlichkeitsolympiade sollen die Akteure in Wortgewandtheit und sportlichem Wettkampf in Konkurrenz treten. Hier geht es ganz real um Bares. Den Mannschaften stehen je 250 Euro zur Verfügung. Der erspielte Gewinn wird schließlich vier gemeinnützigen Jülicher Vereinen zugute kommen.

Auch das Migrationscafé lässt ganz körperlich spüren, worum es den Organisatoren geht. Es ist ein Spiel, das Sprachbarrieren und Verständigungsprobleme ganz praktisch aufzeigt. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Migranten und dürfen sich darum nur gestisch verständigen. Das politische Kurzfilm-Festival, angelehnt an „Cannes“ oder die „Berlinale“ mit rotem Teppich, Glanz und Glammer, beginnt mit den Vorführungen und gipfelt in einem persönlichen Austausch und moderierter Diskussionsrunde über das Gesehene. Aus ganz Deutschland werden außerdem Referenten erwartet – aus der nahen Umgebung kommt etwa Patrick Dohmen. Der Linnicher wird über „Integration körperlich und geistig Behinderter“ sprechen. Aus der Ferne schaltet sich in einem Webinar zum Thema „Risiken im Internet“ zum Themenschwerpunkt „Digitalisierung“ ein Referent aus Rostock zu.
Aber nicht nur im „Elfenbeinturm“ der idyllischen Wasserburg-Anlage Overbach sollen die Erkenntnisse für alle sichtbar sein: Ehe am Samstag, 9. November, zwischen 9 und 11 Uhr in einer „Messe“ für jedermann die Ergebnisse im Haus Overbach vorgestellt werden, kommen die 300 Teilnehmer „flashmob“-gleich am Freitag, 8. November, zwischen 14.30 und 16.30 Uhr auf dem Markt in Jülich zusammen. Geplant ist, die Stadt von Zigarettenstummeln zu befreien, denn jede achtlos weggeworfene „Kippe“ verseucht rund 40 Liter Grundwasser. Bewusstsein soll geschaffen werden, aber auch ein sichtbares und bleibendes Zeichen bleiben. Darum soll für eine festgelegte Menge an Zigarettenstummeln je ein Gingko-Baum gesponsert werden. Im Frühjahr 2020, so der Plan werden die Bäume in der Stadt Jülich und am Haus Overbach dann gepflanzt.