Eine Studie zum Schienenverkehr legt nahe, dass der Wirtschaftsstandort Rheinland – einer der größten europäischen Wirtschaftsräume – in der Verkehrsplanung des Bundes systematisch benachteiligt wird. So ist es einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer Aachen zu entnehmen. Der Bundesverkehrswegeplan 2040 ist die Basis für den Ausbau der Infrastruktur und hat maßgeblichen Einfluss auf die geplanten Investitionsmaßnahmen in die Schieneninfrastruktur des Rheinlandes. Diese reichten nicht aus, um das künftige Wachstum beim Schienengüterverkehr zu bewältigen.
Aus der Studie geht hervor, dass die Verkehrsströme aus den West-Seehäfen (Antwerpen/Brügge, Rotterdam, Amsterdam, kurz: ARA) unterschätzt werden, was gravierende Folgen für die Schieneninfrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung der Region hat. Gemeinsam mit ihren Partner-IHKs im Rheinland fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen daher eine realitätsnahe Anpassung der Bundesverkehrswegeplanung, um negative Auswirkungen für die Infrastruktur der Region auszuschließen. „Im schlimmsten Fall droht dem Wirtschaftsstandort Rheinland ein Wettbewerbsnachteil“, macht Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, deutlich.
Während die Bundesregierung nur ein moderates Wachstum der Seeverkehre erwarte, prognostizieren Experten für Antwerpen/Brügge und Rotterdam allein bis zu zwei Drittel mehr deutschlandrelevantes Güteraufkommen als in der Bundesprognose für alle ausländischen Seehäfen insgesamt angenommen werde. Ein vergleichbares Verhalten des Bundes hatten die Rheinland-IHKs bereits 2016 für den aktuell gültigen Bundesverkehrswegeplan festgestellt. In der Realität wurden die vom Bund für 2030 prognostizierten Mengen bereits 2019 erreicht. „Diese Fehleinschätzung führt dazu, dass dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen nicht priorisiert werden“, verdeutlicht Bayer die Konsequenzen.
Er betont: „Wir unterstützen die Forderung, mehr Personen- und Güterverkehre auf die Schiene zu verlagern. Dies erfordert jedoch einen dringend notwendigen Ausbau der Schieneninfrastruktur, der bislang vernachlässigt wurde. Besonders für unsere Region entsteht der Druck durch den Schienengüterverkehr vom Antwerpener Hafen.“ Das Maßnahmenbündel zwischen Aachen und Düren muss seiner Ansicht nach unbedingt umgesetzt werden. Dazu zählen das dritte Gleis am Burtscheider Viadukt, die Verlängerung der bestehenden, noch zu verändernden dreigleisigen Strecke von Rothe Erde bis kurz vor Eilendorf bis zum Beginn des Eilendorfer Tunnels. Hinzu kommt das dritte Gleis zwischen Langerwehe und Düren.
Die IHKs im Rheinland fordern von der Bundesregierung eine Korrektur der Verkehrsprognosen sowie eine Neuausrichtung der Bundesverkehrswegeplanung. Die Kapazitäten auf den betroffenen Schienenkorridoren müssen dringend erweitert werden, um den tatsächlichen Bedarfen gerecht zu werden. Konkret bedeutet das die Anpassung der Verkehrsprognose 2040 an die realen Wachstumszahlen der ARA-Häfen, die Priorisierung des Ausbaus zentraler Schienenkorridore in der Bundesverkehrswegeplanung. Weiterhin wird eine enge Zusammenarbeit mit Belgien und den Niederlanden zur Stärkung grenzüberschreitender Infrastrukturen gefordert sowie die beschleunigte Umsetzung bereits geplanter Projekte, insbesondere im Rahmen des Investitionsgesetzes Kohleregionen.
Das Positionspapier inklusive des Forderungskatalogs für das Rheinland finden Sie auf der Website der IHK Aachen: www.ihk.de/aachen/positionspapier-schienenverkehr Die Studie ist hier einsehbar: www.ihk.de/aachen/studie-schienenverkehr