„Es ist unsere Aufgabe“, unterstrich Spelthahn, „ein ‚Nie wieder‘ auch durch unsere persönliche Zivilcourage zu erreichen. Heute ist ‚nie wieder‘.“ Dabei wertete Spelthahn insbesondere die Anwesenheit von Dr. Syed M. (Muhammed) Qaim, Vertretung des islamischen Zentrums Jülich, als hoffnungsvolles Zeichen. Dieser sprach gemeinsam mit Pfarrerin Elke Wenzel von der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, und Ralph Loevenich, Schulseelsorger der Katholischen Pfarrei Heilig Geist Jülich, ein Friedensgebet. Anschließend erinnerte sich Qaim, der seit über 50 Jahren in Jülich lebt, wie er vor 27 Jahren und er im Namen der Muslime bereits die Namensgebung der Straße „An der Synagoge“ mitgefeiert habe.
Seit diesem Jahr sind zudem die Schülerinnen und Schüler aller Jülicher Schulen eingeladen, die Veranstaltung am 9. November aktiv mitzugestalten, erklärte Timo Ohrndorf, stellvertretender Vorsitzender der Jülicher Gesellschaft. Die Sekundarschülerinnen und -schüler der 9. Klasse verglichen die Jetztzeit von 2023 mit 1933, in denen sie viele Parallele entdeckten: Überall seien Hakenkreuze zu finden, auch derzeit in Jülich, Aldenhoven, Titz, Linnich, Niederzier und anderswo auf Grabsteinen, Wänden, Straßen und Wegen sowie „SS“-Zeichen auf Straßenlaternen, in Überführungen und an Brückenpfeilern sowie Parolen wie „Juden raus“ oder „Sieg heil“ an Stromkästen, Mauern und Zäunen genau so wie an Schulen, Kitas und Eingängen zu Gedenkstätten. Trotz Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nix gelernt? Diese Frage stellten sie in den nächtlich-nassen Raum. Als Vertretung der Sekundarschule seien sie dort, um zu demonstrieren, dass jungen Menschen im Jülicher Land und anderswo demokratische Werte wie Demokratie, Menschenwürde, Respekt, Toleranz etwas bedeutet und sie sich dafür stark machen.
Zum gemeinsamen Singen von „Shalom chaverim“ („Frieden sei mit Euch, Freunde“) stimmte Kantor Christof Rück von der Pfarrei Heilig Geist am E-Piano an, während Klaus Dieter George auf der Klarinette mit der israelischen Nationalhymne „haTikwa“ (die Hoffnung) und dem hebräischen Volkslied Havah Nagilah an der Synagoge und am Mahnmal eine nachdenkliche Stimmung verbreitete.
„Mehr denn je ist es heute nach 85 Jahren erforderlich, dass wir für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und unsere offene Gesellschaft einstehen.“ Damit verwies er auf die barbarischen Angriff der terroristischen Hamas auf Israel, die darauf abziele, den israelischen Staat zu vernichten. Diese anhaltenden Auseinandersetzung veranschaulichen nachdrücklich, dass Antisemitismus auch heute noch gegenwärtig ist. Die Auswirkungen seien auch in Deutschland spürbar, wo Angriffe auf jüdische Einrichtungen und Geschäfte, Drohungen gegenüber jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie antisemitische Äußerungen deutlich zugenommen hätten, so dass diese sich in Deutschland nicht mehr sicher fühlten. „Diese Situation ist unerträglich und nicht zu tolerieren.“ Auch er proklamierte die von der Landesregierung ausgegebene Parole: „‚Nie wieder’ ist jetzt.“ In Deutschland und insbesondere in Jülich, wo über 100 Nationen friedlich miteinander und füreinander zusammenlebten, dürfen Antisemitismus keinen Platz finden.