Was tun, wenn der gefeierte Bühnenstar Elena Firenzi (Claudia Cormann-Wiersch) durch mysteriöse Umstände nicht auftreten kann? Mrs. Wylie (Birgit Bergk) weiß Rat: Ersatz muss her und zwar schnell. Dass ihre Assistentin Jo (Sarah Aubel) die Texte von „Carmen“ auswendig kann, ist ein Vorteil. Dass Elena Firenzi aber von vielen der anderen Opernmitglieder vergöttert und angebetet wird, ist eher ein Nachteil. Denn so häufen sich die Vorfälle, mit denen die neue Elena zu kämpfen hat – unangenehmer und auch angenehmer Natur. Aber eins ist sicher: Die Show musse weitergehen!
Unter der Leitung von Jana Anders hat die Bühne 80 eine Inszenierung voll pompöser Kostüme, witziger Dialoge und einem Hauch von Wahnsinn auf die Bühne gebracht. Das Ehepaar Firenzi ist herrlich komisch: Bei „Snauze“ und „Sie iste stupida“ bleibt kaum Zeit zwischen den Lachern Luft zu holen. Der übertriebene italienische Akzent trägt dazu nur positiv bei. Pasquale (Albert Junker) tut einem fast ein wenig leid, wenn Elena so offensichtlich mit dem Tenor Leo (Andreas Hardt) anbandelt.
Auch Mrs. Wylie hat es nicht leicht in all dem Chaos einen kühlen Kopf zu bewahren, schließlich sitzen ihr der Vorstand (Melanie Zehnpfennig) und eine Hotelpagin im Nacken und möchten partout den Weltstar kennenlernen. Und auch ihr Sohn (Philipp Hardt) scheint gegen Sie zuarbeiten. Nachdem der Weltstar im bereits die Hand an die Wange gelegt hatte, ist es um ihn geschehen und er muss an Elena unbedingt so nah herankommen, wie möglich.
Das Stück ist schrill, schnell und an manchen Stellen überschlagen sich die Ereignisse. Die Schauspieler sind perfekt ausgewählt und verkörpern die Rollen mit Spaß und Spielfreude auf der Bühne. Kennern fällt auf: Manche Gags haben erst durch die Spielenden ins Stück gefunden. Besonders ist auch der Gesangspart, der laut Regisseurin Jana Anders, das erste Mal Teil eines Stücks ist. Claudia Cormann-Wiersch und Sarah Aubel haben geübt – das hört man – und so füllen sie auch die Opernsängerin glaubhaft mit Leben.
Klares Highlight beim Publikum ist eine Szene, die aus Spoilergründen nicht weiter ausgeführt wird. So viel sei gesagt: Doppelt passt hier in zweifacher Hinsicht. Bis es jedoch zu dieser Szene kommt, hält der Zuschauerraum immer wieder den Atem an: Jo und Mrs. Wylie dürfen nicht auffliegen, sonst ist der gesamte Opernabend hinüber.
Die Bühne 80 spielt sich in rund zweieinhalb Stunden in die Herzen der Zuschauer, schließlich kennt sie die Formel für Erfolgsgarantie: Ein bisschen Glamour, eine Handvoll liebenswert schrullige Charaktere und vier Dutzend pointierte Witze.
So kanne es weitere gehen!
Die Bühne 80 steht noch drei weitere Termine auf ihrer Stammbühne im Mädchengymnasium. Für 12 Euro gibt es Karten an der Abendkasse und per Telefon oder Mail zu kaufen. Alle Infos sind hier zu finden: https://buehne80.de/events. Besonders: am heutigen Mittwoch, 2. April, spielt die Bühne 80 für so viel Geld, wie die Zuschauenden geben möchte.
Fotos Volker Goebels