Der große Fuß ist für den Künstler zum Markenzeichen geworden, er steht sogar als Piktogramm auf seiner Webseite neben seinem Namen. Ebenfalls Markenkennzeichen: Die selbstbemalte grüne Kappe, die natürlich auch bei der Vernissage nicht fehlte. „Perspektive? akrobatisch!“ heißt der Titel der Ausstellung, die bis Ende Juni in der Düsseldorfer Straße zu sehen ist.
Akrobatisch reckt sich die hölzerne Figur als dominantes Herzstück der Ausstellung den Besuchern entgegen. Immer eine neue Perspektive ergeben sich beim Umrunden der Skulptur und genau das ist das Ziel des Künstlers. Die Dreidimensionalität bei stets wechselnden Standpunkten ist für ihn das Interessante. Das Lichtspiel auf dem bewegt-gemaserten und polierten Holz des Giganten tut ein übriges.

Und so passt auch der große Fuß ins Bild… „Ich zeige die Welt aus der Ameisenperspektive“, erklärt der 53-jährige augenzwinkernd. Es ist halt alles eine Frage der Position. Wer den Blick von unten hebt, dem erscheint der Fuß gigantisch und der Kopf fast puppenhaft klein. Im Spiel mit der Perspektive bei Skulpturen bezieht sich Jörg Wilhelm Schirmer auf die Kunst der Renaissance. Schon hier, erklärt er, hätten die Bildhauer je nach Höhe des Aufstellungsortes ihrer Figuren die Gliedmaßen proportional angepasst. Nur, dass Schirmer selbst den Betrachter zum Perspektivwechsel auffordert.
In Essen ist Jörg Wilhelm Schirmer beheimatet, die familiären Wurzeln liegen aber in Jülich. Sein Ur-Ur-Großvater ist der Erfinder der modernen Landschaftsmalerei, Johann Wilhelm Schirmer, ein Sohn der Stadt Jülich. Die J.W. Schirmers teilen sich über die Jahrhunderte hinweg nicht nur die Initialen, sondern auch die völlige Hingabe zur Kunst. Beide besuchten die Düsseldorfer Kunstakademie. JW der Ältere war um die wende zum 20. Jahrhundert als Professor in Düsseldorf und Direktor der Kunstakademie in Karlsruhe. Zur Wende zum 21. Jahrhundert war JW der Jüngere an der Düsseldorfer Akademie Meisterschüler von Markus Lüpertz. Künstlerisch verschieden, eint die beiden Schirmer der Wille zum Aufbruch, das Hinterfragen und Übergehen konventioneller Grenzen. Wie formulierte es Laudatorin Stephanie Decker: „Er hat sich nie auf den Lorbeeren seines berühmten Vorfahrens ausgeruht und er besitzt das so bewundernswerte Durchhaltevermögen von der Idee zum fertigen Kunstwerk.“
Zur Ausstellungs-Einführung von Stephanie Decker
