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In­ter­na­tio­na­ler Frei­wil­li­gen­dienst

 

Auf­bruch­stim­mung in der „Bo­li­vi­en-Brücke“! Zum zehn­ten Mal ent­sen­det der Ve­rein mit Sitz in Jü­lich junge Er­wach­se­ne zum Frei­wil­li­gen­dienst – ge­mein­hin als FSJ be­kannt – in Rich­tung La­tein­ame­ri­ka. Wer den Weg wagt, nimmt Ab­schied nicht nur vom Kreis der Fa­mi­lie und Freun­de, er lässt die bes­tens ein­ge­rich­te­te Kom­for­te­cke zu­rück. Durchaus ein­schnei­dend le­ben­sum­wäl­zend kann das enden. „Dass sich etwas ver­än­dert, ist ja auch Teil des Kon­zepts“, sagt Ver­eins-Mit­be­grün­der und -Vor­sit­zen­der Mi­cha­el Richardy. 

 

Seine Lei­den­schaft für das Land im Her­zen des süd­ame­ri­ka­ni­schen Sub­kon­ti­nen­tes ist lange ge­wach­sen. Schon als Ju­gend­li­cher pfleg­te Richardy Kon­tak­te über den großen Teich. Aber erst die Stu­di­en­rei­se 1996 brach­te die Ini­ti­al­zün­dung und für den Pas­to­ral­re­fe­ren­ten wurde aus dem In­ter­es­se auch eine selbst­ge­wähl­te Auf­ga­be. In der Folge kam er zu ers­ten zar­ten Ban­den und Ak­ti­vi­tä­ten, etwa Grup­pen-Rei­se­an­ge­bo­te ge­mein­sam mit Koop-Part­nern. „So ist das bei mir ge­wach­sen“, er­klärt er seine Her­zens­an­ge­le­gen­heit und gerät ins Schwär­men: „Man fühlt sich als Teil einer Fa­mi­lie, die über die Kon­ti­nen­te geht.“

 

In den kom­men­den Jah­ren stell­te die da­ma­li­ge rech­te Hand von Ex-Propst Hein­rich Bon­gard fest, dass ja viele Ini­tia­ti­ven, Verei­ne und kirch­li­che In­sti­tu­tio­nen sich in der Re­gi­on mit „Bo­li­vi­en“ be­schäf­ti­gen. Und wenn sie ge­mein­sam eine Reise tun, dann kom­men sie auf Ideen: 2004 waren Ver­tre­ter ver­schie­de­ner Ak­ti­ver ge­mein­sam un­ter­wegs und be­schlos­sen: „Lasst uns doch mal alles, was es so an Ak­ti­vi­tä­ten zu Bo­li­vi­en in der Re­gi­on gibt, an einen Tisch brin­gen.“ Das Ziel war: von­ein­an­der zu wis­sen, mit­ein­an­der zu ar­bei­ten, sich zu un­ter­stüt­zen: „Es hatte stark den Cha­rak­ter der Ver­net­zung.“

 

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Und so ist es bis heute: Pro­jek­te wie die Un­ter­stüt­zung des Kin­der­heims in Po­co­nas, die über­wie­gend von St. Anna Düren aus be­trie­ben wird, oder die kul­tu­rel­len Kon­tak­te zum Cen­tro Cul­tu­ral Masis in Sucre, die Richardy be­son­ders pflegt, sind er­hal­ten ge­blie­ben. Wich­tig ist dem Vor­sit­zen­den dabei al­ler­dings: Un­ter­stützt wer­den stets Ini­tia­ti­ven, die von Men­schen vor Ort an­ge­scho­ben wur­den, also eine Mit­ar­beit an be­reits be­ste­hen­den Struk­tu­ren er­mög­licht. „Es gibt kein Pro­jekt, das nur von uns lebt. Sie sind nie von uns ab­hän­gig. Es ist nur ein Bei­trag.“

 

Neben fi­nan­zi­el­ler Hilfe ist ein Teil des Bei­trags die Ent­sen­dung der Frei­wil­li­gen. Die per­sön­li­che  Hal­tung des Ver­eins: „Der Frei­wil­li­gen­ein­satz muss eine gute Balan­ce ge­währ­leis­ten zwi­schen der Ent­wick­lungs­mög­lich­keit für den Frei­wil­li­gen, damit er etwas ler­nen kann und nicht nur Ar­beits­kraft ist, aber um­ge­kehrt soll es eine Hilfe und ein Nut­zen für das Pro­jekt sein.“

 

Die Um­set­zung des An­ge­bots war erst nach der Ver­eins­grün­dung mög­lich, denn „es brauch­te auch die äu­ße­re Form als Rechts­trä­ger“. Damit ver­bun­den war die Aner­ken­nung als Ent­sen­de-Or­ga­ni­sa­ti­on durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ). „Welt­wärts“ heißt die Seite des BMZ, die seit 2008 die in­ter­na­tio­na­len FSJ-An­ge­bo­te bün­delt. So er­rei­chen die Bo­li­vi­en-Brücke Be­wer­bun­gen aus ganz Deutsch­land. In­zwi­schen hat der Ve­rein zum Zehn­jäh­ri­gen noch einen „drauf ge­setzt“: Ihm wurde durch die Gü­te­ge­mein­schaft In­ter­na­tio­na­ler Frei­wil­li­gen­dienst e.V. das RAL-Gü­te­zei­chen „In­ter­na­tio­na­ler Frei­wil­li­gen­dienst – Out­going“ ver­lie­hen.

 

Das heißt: Ex­ter­ne Prüf­ver­fah­ren hoher Qua­li­täts­an­for­de­run­gen der Gü­te­ge­mein­schaft sind gänz­lich er­füllt. Mit den der­zei­ti­gen sind es 28 junge Men­schen, die auf die Reise ge­schickt wur­den. Und die nächs­te Runde läuft schon wie­der: Bis 31. Ok­to­ber sind noch Be­wer­bun­gen mög­lich.

 

Por úl­ti­mo pero no me­nos… Kul­tur­ver­mitt­lung und An­knüp­fung sind wich­ti­ge The­men für die Bo­li­vi­en-Brücke. Das sind ei­ner­seits An­ge­bo­te an Schu­len, aber auch bei­spiels­wei­se Kon­zer­te von Los Masis in Jü­lich, eine Tex­tilaus­stel­lung in Vos­sen­ack oder ein Kon­zert mit einem Chor aus dem bo­li­via­ni­schem Tief­land. Sie ver­steht der Ve­rein als Ein­la­dung zum Dia­log. „Wir be­kom­men viel ge­schenkt über das, was wir ken­nen­ler­nen: Kul­tur, Musik, Le­bens­wei­sen – und das geht in beide Rich­tun­gen“, sagt Richardy. Der­zeit ist die nächs­te Reihe in Pla­nung: 2018 wer­den er­neut Gäste aus Bo­li­vi­en er­war­tet.

www.bo­li­vi­en-brue­cke.de

SuS