img_4995

In der GR 17 wird Jü­lich re­giert

 

Das Neue Rat­haus als Haupt­sitz der Stadt­ver­wal­tung ist in einer 17 un­ter­ge­bracht, näm­lich in der Gro­ßen Rur­stra­ße 17. Hier ar­bei­ten tag­täg­lich Be­am­te und An­ge­stell­te ge­mein­sam mit dem Bür­ger­meis­ter als Ver­wal­tungs­chef für das Wohl der Bür­ger der Stadt.

Ob Auf­ge­bots­be­stel­lung im Stan­des­amt oder Schlag­lochre­kla­ma­ti­on im Bau­amt, neuer Rei­se­pass im Ein­woh­ner­mel­de­amt oder ver­lo­re­ner Schlüs­sel im Fund­bü­ro des Ord­nungs­am­tes – in der Gro­ßen Rur­stra­ße Num­mer 17 ist man da an der rich­ti­gen Adres­se. Gleich­zei­tig ist das Neue Rat­haus na­tür­lich auch Sit­zungs- und Ta­gungs­ort des Stadt­ra­tes und somit Wir­kungs­stät­te kom­mu­nal­po­li­ti­scher Pro­zes­se. Rat­häu­ser gab es be­reits im an­ti­ken Grie­chen­land. Dort kam tat­säch­lich aus­schließ­lich der Rat zu­sam­men – ver­wal­tet wurde die Stadt au­ßer­halb des meist prunk­vol­len re­prä­sen­ta­ti­ven Ge­bäu­des. Im Mit­tel­al­ter wur­den dann mit der Ver­lei­hung der Stadt­rech­te aus vie­len Rat­häu­sern Mehr­zweck­ge­bäu­de. In der Regel ent­stan­den sie im Zen­trum der Städ­te und wur­den immer wie­der er­wei­tert. Nicht sel­ten wurde das Erd­ge­schoss als Markt­hal­le ge­stal­tet, selbst ein Tanz­bo­den sowie eine Küche zur Be­wir­tung waren nicht un­ge­wöhn­lich und in der obers­ten Etage war oft­mals der Ge­richts­saal un­ter­ge­bracht. Am Rat­hau­sturm be­fand sich manch­mal die ein­zi­ge öf­fent­li­che Uhr. Die ei­gent­li­che Ver­wal­tung einer Stadt nahm wenig Raum ein. Und die Rat­häu­ser waren als Aus­hän­ge­schild der Städ­te immer auch Aus­druck einer ört­li­chen Iden­ti­tät.

Auch für Jü­lich hat das Rat­haus na­tür­lich eine be­son­de­re Be­deu­tung. Und das gleich dop­pelt. Jü­lich hat näm­lich be­kann­ter­ma­ßen gleich zwei Rat­häu­ser – ein altes und ein neues. Für Ver­wir­rung stif­tet oft­mals die Tat­sa­che, dass im Alten Rat­haus am Markt­platz vie­les neu ist – vor allem mit dem Kreis Düren der Be­woh­ner und zu­künf­ti­ge Ei­gen­tü­mer; und im Neuen Rat­haus am Schwa­nen­teich vie­les alt ist – vor allem die Fassa­de. Trotz­dem steht das Neue Rat­haus unter Denk­mal­schutz, weil es aus einer be­deut­sa­men his­to­ri­schen Bau-Epo­che stammt und das Alte Rat­haus wie­der­um be­schäf­tigt mit Um- und Neu- bzw. An­bau­plä­nen so­wohl die Ver­wal­tung als auch die Po­li­ti­ker der Stadt.

Was sich in einer Stadt tut und was nicht, wird also auf jeden Fall im Rat­haus im Zu­sam­men­wir­ken von Po­li­tik und Ver­wal­tung ent­schie­den. Das Was­ser aus dem Was­ser­hahn, der Schul­bus, die Stra­ßen, Fe­ri­en­frei­zei­ten, Parks, Falsch­par­ken und Brand­be­kämp­fung der Feu­er­wehr – die kom­mu­na­len Auf­ga­ben sind viel­fäl­tig und auf den ers­ten Blick un­po­li­tisch. Doch auf den zwei­ten zeigt sich, dass jede Ent­schei­dung, die ge­trof­fen wird von zu­sam­men­kom­men­den Men­schen, letzt­lich Po­li­tik ist. Und von zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen gibt es reich­lich – be­son­ders in Zei­ten knap­per Haus­halts­kas­sen. Was ist wich­ti­ger: Kul­tur­haus oder Schwimm­bad, Stra­ßen­aus­bau oder Stadt­hal­le, Frei­zeit­park oder Bür­ger­hal­len? Ohne die Re­geln der De­mo­kra­tie geht hier nichts. Und diese muss so wie einst im an­ti­ken Grie­chen­land auch im über­schau­ba­ren kom­mu­na­len Rah­men der heu­ti­gen Zeit funk­tio­nie­ren: Der Bür­ger­meis­ter lei­tet die Kom­mu­ne. Die Stadt­ver­wal­tung mit ihm an der Spit­ze setzt die Be­schlüs­se des Stadt­ra­tes um, der wie­der­um als Par­la­ment den Bür­ger­meis­ter kon­trol­liert. So­wohl der Bür­ger­meis­ter als auch die Stadt­rats­mit­glie­der sind ge­wähl­te Ver­tre­ter der Ein­woh­ner. Im Ge­gen­satz dazu sind die in der Stadt­ver­wal­tung tä­ti­gen Men­schen Be­am­te, also vom Staat mit einem Amt be­klei­de­te Men­schen, oder An­ge­stell­te der Kom­mu­ne. Sie set­zen zum einen staat­li­che Auf­trags­an­ge­le­gen­hei­ten um und be­schäf­ti­gen sich zum an­de­ren mit den viel­fäl­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten der Kom­mu­ne. Sie sind be­ruf­li­che Spe­zia­lis­ten, be­mer­ken so also, wo kom­mu­na­ler Hand­lungs­be­darf ent­steht. Eine Stadt­ver­wal­tung in­iti­iert auf die­sem Weg also nicht sel­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­se, die wie­der­um vom Bür­ger­meis­ter als ihr Chef dem Stadt­rat zur Ab­stim­mung vor­ge­legt wer­den. Zu­sam­men­ge­fasst lässt sich also sagen: Für den Jü­li­cher Bür­ger ist die Große Rur­stra­ße 17 ein Dienst­leis­tungs­zen­trum, eine Ide­en­schmie­de und Epi­zen­trum der Macht…

 

Gisa Stein