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Bie­nen­zucht­ver­ei­ne Im­men­treu e.V.

 

Gar nicht so ein­fach, sich in das etwas un­hand­li­che weiße Klei­dungs­stück zu wüh­len, alle Reiß- und Klett­ver­schlüs­se rich­tig zu schlie­ßen. Feh­len nur noch die lan­gen Hand­schu­he – fer­tig ist das Imker-Out­fit. Für die meis­ten der knapp 15 Teil­neh­mer ist es ein ganz neues, ziem­lich un­ge­wohn­tes Ge­fühl, durch den Schlei­er un­term Im­ker­hut zu bli­cken. Aber ohne die­sen Schutz geht es nicht, wer den De­ckel vom Bie­nen­stock neh­men möch­te, ist gut be­ra­ten, den An­wei­sun­gen von Man­fred Kochs zu fol­gen. Und Ach­tung: „Nicht vor das Flug­loch stel­len, das mögen die Bie­nen nicht!“ Flug­loch? Wovon bitte redet der Mann?

 

Doch von vorne: Seit Fe­bru­ar läuft der ak­tu­el­le An­fän­ger­kurs, den der Bie­nen­zucht­ver­ein „Im­men­treu“ Stein­straß und Um­ge­bung e.V. in­ter­es­sier­ten Neu­ein­stei­gern an­bie­tet. Etwa ein­mal im Monat tref­fen sich die Teil­neh­mer seit­dem und las­sen sich von Man­fred Kochs und sei­ner Frau In­grid in die Ge­heim­nis­se der Bie­nen­hal­tung ein­wei­hen. Bis zum Ende des Jah­res wird die­ser An­fän­ger­kurs dau­ern, ein neuer ist für das kom­men­de Jahr schon ge­plant. Un­ter­stützt wird das Ehe­paar Kochs dabei von Leh­rer Bern­ward Venth, der an sei­ner Grund­schu­le sogar eine Bie­nen-AG an­bie­tet. So fin­det der „Un­ter­richt“ auch in sei­nem Klas­sen­raum an der Jü­li­cher Nord­schu­le statt.

 

Am An­fang steht die Theo­rie: Rund 90 Mi­nu­ten dau­ert die erste Ein­füh­rung, in der es „nur um das Wich­tigs­te“ geht. Nach die­ser ers­ten Tro­cken­übung  – Be­grif­fe wie Wei­sel- oder Schwarm­zel­len, Faul­brut und Var­roa-Mil­ben, Rähm­chen, Beu­ten und ähn­li­che schwir­ren wie ein wild­ge­wor­de­ner Bie­nen­schwarm durch die Köpfe der An­fän­ger – geht es end­lich nach drau­ßen. Im Hin­ter­hof der Nord­schu­le ste­hen die Bie­nen­völ­ker von Bern­ward Venth, sie die­nen für die kom­men­den Mo­na­te den Neu-Im­kern als An­schau­ungs- und Übungs­ob­jek­te. Doch schon nach we­ni­gen Wo­chen nen­nen die meis­ten Kurs­teil­neh­mer das erste Bie­nen­volk ihr Eigen und haben eine ge­wis­se Rou­ti­ne im Um­gang mit den flie­gen­den Ho­niglie­fe­ran­ten ent­wi­ckelt.

 

Ähn­lich ging es auch Det­lef Ober­hoff, der als Leh­rer eben­falls mit sei­nen Schü­lern an und mit Bie­nen­völ­kern ar­bei­tet. „Ich bin da­mals ein­fach mit Herrn Ro­sen­baum (dem Vor­sit­zen­den des Ver­eins) mit­ge­gan­gen. Ja und dann hatte ich ganz schnell mein ei­ge­nes Volk“, schmun­zelt Vor­stands­mit­glied Ober­hoff rück­bli­ckend. Doch mit der An­schaf­fung von ein paar Bie­nen ist es nicht getan, es gibt eine Menge zu be­ach­ten und zu wis­sen. Rat­sam ist etwa auch die Mit­glied­schaft in einem Im­ker­ver­ein. Denn nur auf die­sem Weg kön­nen die Bie­nen­züch­ter ihre Völ­ker auch ver­si­chern. Ein Schutz, der tat­säch­lich emp­feh­lens­wert ist: Immer wie­der fal­len Bie­nen­stö­cke, selbst wenn sie an ge­schütz­ter Stel­le auf­ge­stellt sind, blin­dem Van­da­lis­mus zum Opfer. Auch gegen Krank­hei­ten sind die flei­ßi­gen In­sek­ten nicht ge­feit. Zudem or­ga­ni­siert der Ve­rein, so auch bei „Im­men­treu e.V.“ üb­lich, immer wie­der in­ter­essan­te Fort­bil­dun­gen und bie­tet Kurse, wie den ak­tu­el­len An­fän­ger­kurs aber auch Ho­nig­schu­lun­gen an.

 

Die Im­ke­rei boomt, an­ders lässt sich das kaum aus­drücken, sind sich Ober­hoff und Kochs einig. Wäh­rend in den 1970er und 80er Jah­ren die Zahl der ak­ti­ven Imker merk­lich und ste­tig schrumpf­te, ver­zeich­net nicht nur der Jü­li­cher Bie­nen­zucht­ver­ein in­zwi­schen deut­li­che Zu­wäch­se. Die An­fän­ge der Jü­li­cher Im­ker­ver­ei­ni­gung liegt schon eine Weile zu­rück: 1964 haben sich die ers­ten Imker in Stein­straß und Um­ge­bung zu­sam­men­ge­tan. Die of­fi­zi­el­le Ver­eins­grün­dung, mit da­mals 18 Mit­glie­dern, folg­te dann 1980. Mitt­ler­wei­le zählt der „Im­men­treu e.V.“ rund 50 Mit­glie­der. Genau be­trach­tet ste­cken aber noch mehr ak­ti­ve Bie­nen­hal­ter da­hin­ter, denn „oft im­kern (Ehe-)Paare ge­mein­sam, aber nur einer wird ak­ti­ves Mit­glied“, er­läu­tert Ober­hoff und fügt hinzu „im­kern ist ein schö­nes Hobby mit re­la­tiv frei­er Zei­tein­tei­lung.“ Ein po­si­ti­ver – üb­ri­gens bun­des­wei­ter – Trend, der das Im­ker­herz na­tür­lich höher schla­gen lässt. Doch woran liegt es? So genau er­klä­ren kann das kei­ner, aber ganz of­fen­sicht­lich ent­de­cken immer mehr Jü­li­cher ihre Vor­lie­be für Honig, ein Herz für Natur und Um­welt­schutz und die Lust an einem neuen, viel­leicht ein wenig un­ge­wöhn­li­chem Hobby.

 

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Ein Hobby, das tat­säch­lich gar nicht so zeit­auf­wän­dig ist, wie es auf den ers­ten Blick wirkt. Mit ein wenig Übung und Rou­ti­ne ge­nü­gen we­ni­ge Stun­den im Monat für die so­ge­nann­te Völ­ker­füh­rung im Laufe des Jah­res. Wäh­rend der war­men Mo­na­te ist es al­ler­dings rat­sam, einen re­gel­mä­ßi­gen Blick in die Bie­nen­woh­nung, die Beute, zu wer­fen. Denn nur dann lässt sich er­ken­nen, ob die Bie­nen mit ihrer Be­hau­sung noch zu­frie­den sind oder ob sie pla­nen, aus­zu­zie­hen –  im Fach­jar­gon heißt das dann „Schwarm­stim­mung“. Wird es zu eng im Stock, zieht das Volk eine neue Kö­ni­gin heran und die alte zieht mit ihrem Ge­fol­ge aus, das Volk schwärmt. In die­sem Fall klin­gelt bei Det­lef Ober­hoff, Man­fred Kochs, Bern­ward Venth oder einem an­de­ren Ver­eins­mit­glied das Te­le­fon. „Wir fah­ren dann dahin und ver­su­chen, den Schwarm ein­zu­fan­gen“, er­läu­tert Kochs. Be­waff­net mit einem großen Eimer oder einer Schwarm­kis­te rücken die er­fah­re­nen Fach­leu­te dann aus, sam­meln im Ide­al­fall das Volk ein und bie­ten ihm ein neues Zu­hau­se.

 

Auch wer sich plötz­lich mit einem We­s­pen­nest im ei­ge­nen Gar­ten kon­fron­tiert sieht, kann und soll­te sich an den Bie­nen­zucht­ver­ein „Im­men­treu“ wen­den. Doch auch ganz ohne Not­fäl­le ste­hen die Imker allen In­ter­es­sier­ten gerne Rede und Ant­wort. So sind zum Bei­spiel an na­he­zu jedem Wo­che­n­en­de Ver­eins­mit­glie­der am Lehr­bie­nen­stand im „F­lieg-Flat­ter-Summ-Gar­ten“ im Brücken­kopf­park ver­tre­ten. Wer mag, kann dort auch Honig kau­fen – oder war­tet noch ein wenig, viel­leicht hängt dem­nächst der eine oder an­de­re Nach­bar ein Schild ins Fens­ter und wirbt für „Ho­nig aus ei­ge­ner Im­ke­rei“. Der fürs nächs­te Jahr ge­plan­te neue An­fän­ger­kurs ist je­den­falls schon bei­na­he aus­ge­bucht.

 

Brit­ta Syl­ves­ter