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Tref­fen sich drei Deut­sche. Was ma­chen sie? Sie grün­den einen Ve­rein. Oft geben ge­mein­sa­me In­ter­es­sen den Aus­schlag. Sport­ver­ein, Kunst­ver­ein, Old­ti­mer­club mit Ver­einss­truk­tur. Al­lei­ne spielt es sich nicht so gut Hand- oder Fuß­ball. Verei­ne haben Hand und Fuß. Die Vor­sit­zen­den han­deln (sprich hän­deln) die Ge­schi­cke. Die Schrift­füh­rer schrei­ben für und für. Die Bei­sit­zer sit­zen bei. Die Sat­zung re­gelt streng, wie. In der Ge­gend, in der ich als Volks­schul­kind lebte, war „de Fer­roi“ (der Ve­rein) die obers­te In­stanz „über­haupt“. Kein Ter­min war wich­ti­ger.  Den­noch würde ich mich selbst be­dingt als Ver­eins­mei­er be­zeich­nen. Warum? Weil es Auf­ga­ben gibt, die al­lei­ne nicht zu lösen sind, weil Sy­ner­gie­ef­fek­te aus drei mal wenig ganz viel ma­chen, weil Verei­ne leben ret­ten und Men­schen am Ver­hun­gern hin­dern, Ge­schich­te le­ben­dig wer­den las­sen…

 

Was ver­eint denn ei­gent­lich die Mit­glie­der des In­ter­na­tio­na­len Clubs in Jü­lich? Auf der öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ho­me­pa­ge er­schei­nen gleich nach dem Ein­trag „Home“ auch die selbst auf­er­leg­ten „Auf­ga­ben“, die da wären: den Kon­takt der in- und aus­län­di­schen Mit­glie­der un­ter­ein­an­der, zur Jü­li­cher Be­völ­ke­rung sowie zu in- und aus­län­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen glei­cher Art zu pfle­gen,das Ein­le­ben der Aus­län­der, die in Jü­lich tätig sind, zu för­dern.

 

Zu die­sem Zweck führt der Club ins­be­son­de­re Ver­an­stal­tun­gen in­for­ma­ti­ver, kul­tu­rel­ler und ge­sell­schaft­li­cher Art durch. Seine Tä­tig­keit soll dem Ge­dan­ken der To­le­ranz und Völ­ker­ver­stän­di­gung die­nen.

 

Be­trach­ten wir ein­fach mal die his­to­ri­sche Ent­wick­lung. Kern und An­gel­punkt für die Grün­dung des Clubs war wie so oft in Jü­lich „das Atom“, das ja ge­ra­de 60ten Ge­burts­tag fei­er­te. Deutsch­land hat keine Roh­stof­fe, aber Know-How. Das will ex­por­tiert wer­den. Also muss man wohl mit Men­schen in Kon­takt tre­ten, die alles sind, außer deutsch. Der Kern der Kern­for­schungs­an­la­ge war nie einer der Re­ak­to­ren, son­dern immer der Hör­saal mit sei­nem Foyer, des­sen 60er-Jahre-Kup­pel al­ler­dings stark an eine Star­figh­ter-Ab­sturz si­che­re Re­ak­tor­kup­pel er­in­nert. Watt ene Zu­fall! Im Foyer hing lange eine Welt­kar­te, über­sät mit roten Punk­ten. Nein, nicht jeder Punkt ne Maus, son­dern jeder Punkt eine Ko­ope­ra­ti­on, welt­weit. Die Wis­sen­schaft­ler aus den Orten mit den roten Punk­ten wur­den immer ge­zielt nach Jü­lich ein­ge­la­den, um hier zu ar­bei­ten. Ja, es waren meist Wis­sen­schaft­ler und nicht Wis­sen­schaft­le­rin­nen, aber die Män­ner brach­ten ihre Fa­mi­li­en mit, die dann erst mal „40 Qua­drat­me­ter Deutsch­land“ hät­ten spie­len müs­sen, wäre da nicht der In­ter­na­tio­na­le Club ge­we­sen. Genau darin lag die Ker­nidee, sich um die Fa­mi­li­en der Gast­wis­sen­schaft­ler zu küm­mern.  Der In­ter­na­tio­na­le Club hilft bei den klei­nen Din­gen des täg­li­chen Le­bens aber bie­tet auch ein kom­plet­tes Wohl­fühl­pro­gramm des An­ge­nom­men­wer­dens in einer zwei­ten Hei­mat. Die jet­zi­ge Vor­sit­zen­de spricht aus Er­fah­rung: „Ich kam ganz neu nach Deutsch­land und „abe“ nie­man­den ge­kannt.“ Sie haben es längst ge­merkt. Nicht die Au­to­kor­rek­tur spinnt. Ich bin es selbst, um dem Thema die­ser Her­zo­g­aus­ga­be ge­recht zu wer­den: „FRONK-RAICH“. San­dri­ne, ein Name wie eine Me­lo­die, war auf Moll ge­stimmt. Vor rund zwölf Jah­ren an­ge­kom­men in dem Dorf „Welt­un­ter­gang“ bei Jü­lich (Name ge­än­dert), stand sie wie vor einer hohen Wand. Das sind so die Mo­men­te, in denen ein Lä­cheln zum Eis­bre­cher wird. Der Eis­bre­cher kam. Auf dem Bug die Let­tern ICJ, zwi­schen dem C und dem J, die „Wel­tof­fen­heits-Kugel“.

 

Ich er­in­ne­re mich an meine ei­ge­ne An­kunft in Jü­lich. Zwei­te Volks­schul­klas­se, ich kam aus der Pfalz, also auch aus dem Aus­land und sprach den dor­ti­gen Dia­lekt. Ich war die Lach­num­mer. Schon am drit­ten Tag konn­te ich „Jüüüü­lie­eSCH“ kor­rekt aus­spre­chen. P1260478 AusschnittWEBEs waren „Aus­län­der“ aus Ame­ri­ka, die uns als „Zu­greis­te“ mit einem Ta­blett der Freund­lich­keit und heißem Kaf­fee herz­lich be­grüß­ten und in die Nach­bar­schaft auf­nah­men. Bis wir mit den Mutt­kra­te warm wur­den und um­ge­kehrt, hat es län­ger ge­dau­ert. Da­mals gab es den In­ter­na­tio­na­len Club noch gar nicht. Die kon­sti­tu­ie­ren­de Ver­samm­lung fand erst sie­ben Jahre spä­ter am 8. März 1970 statt. Der Vor­stand be­stand 6:1 aus den HERREN Dr. Wald, Ahrens, Kedim, Ga­li­ki­ne, Dr. Fi­scher und dem Stadt­di­rek­tor Schrö­der. Nicht allen ist so eine ein­drucks­vol­le Klet­ter­wand auf der Mer­scher Höhe ver­gönnt, wie dem Letzt­ge­nann­ten. Aber das ein­zi­ge Grün­dungs­mit­glied, von dem ich si­cher weiß, dass es wohl auf ist, ist FRAU Maya Röth-Kar­mat, in Jü­lich welt­be­kannt und selbst mit rotem Punkt aus­ge­stat­tet, um noch ein­mal auf die Land­kar­te zu spre­chen zu kom­men. Hätte sie gerne in­ter­viewt, weilt aber ge­ra­de in den USA, Frau von Welt eben. Bis das Ver­eins­re­gis­ter auf Vor­der­mann ge­bracht wurde, floss noch zwei Jahre lang Rur­was­ser den Rhein run­ter. 110 Mit­glie­der aus 20 Na­tio­nen, da­mals. Heute ganz ähn­lich: 147 aus 22. Der enge Bezug zur KFA, da­mals war das FZJ noch „ker­nig“, äu­ßer­te sich durch das ak­ti­ve En­ga­ge­ment der Ehe­frau­en füh­ren­der KFA-Köpfe im Club: Beckurts, Kiel­horn, Theen­haus, Sle­mey­er, Wolf, v. Klit­zing, Grün­berg.

 

Mei­nen ers­ten Kon­takt zum ICJ bekam ich durch Arno Win­ter­mans, die Hilfs­be­reit­schaft in Per­son. R.I.P., lie­ber Arno. Als „F­lie­gen­der Hol­län­der“ be­rich­te­te er in Dia­vor­trä­gen von „sei­nem“ Süd­ame­ri­ka. An­fangs traf man sich im alten Rat­haus, hier­nach in der alten In­ge­nieur­schu­le (spä­ter Fach­hoch­schu­le), im Ron­cal­li-Haus bis schließ­lich das  Gä­stehaus des For­schungs­zen­trums zur stän­di­gen Adres­se wurde. Hier kommt man diens­tags um 10 Uhr zu­sam­men, mit Pro­gramm oder als zwang­lo­ses Tref­fen. Die üb­ri­gen Pro­gramm­punk­te, auch an an­de­ren Wo­chen­ta­gen, sind im In­ter­net auf An­hieb leicht zu fin­den. Im Juni: Der Li­te­ra­tur­kreis Deutsch liest und spricht über: „Mehr Zeit mit Horst“ von In­ge­borg Selt­mann. Auch die eng­lish short story group hat ein straf­fes Pro­gramm. Am Erd­beer­tag fin­den die ver­schie­dens­ten Re­zep­te den Weg in den Gau­men.

 

Beim Scrap­boo­king wer­den Sou­ve­nirs mit Fotos und Pa­pier ge­stal­tet. Bei der Tour de Fran­ce fie­bert der ganze Club mit. Mit einem le­cke­ren Eis geht es zu Be­ginn der Fe­ri­en in die Som­mer­pau­se. Die Events im Kin­der­pro­gramm für die „Krü­mel­mons­ter“ fol­gen dem Ka­len­der: Kar­ne­val, Os­tern, Som­mer, St.Mar­tin, Weih­nach­ten. Weih­nachts­mann Diet­mar ist über­aus be­liebt, nicht nur wegen der Kekse. Vier­mal im Jahr stellt das For­schungs­zen­trum sei­nen Rei­se­bus mit 49 Sitz­plät­zen zur Ver­fü­gung. Maas­tricht, Ams­ter­dam, Brüs­sel, Ko­blenz mit der Fes­tung Ehren­breit­stein. Auch Gäste sind will­kom­men. Mit­glie­der zah­len aber we­ni­ger. „Wie werde ich Mit­glied?“ frage ich San­dri­ne. „Ganz ein­fach, form­lo­se E-mail an in­fo@int-club-jue­lich.de. Der Jah­res­bei­trag be­trägt 24 Euro für Ein­zel­per­so­nen und 36 Euro für Fa­mi­li­en.“

Peer Kling