bridge_bg

Bridge­club Ju­lia­cum

 

Erst wird der Geg­ner ge­reizt, dann geht es darum, mög­lichst viele Sti­che zu lan­den. Klingt mar­tia­lisch? Ist es aber kei­nes­falls. Denn hier geht es nicht um Kriegs­kunst, son­dern um Logik, Kom­bi­na­to­rik und Span­nung – das Spiel heißt Bridge und folgt stren­gen Re­geln. Re­geln, die jeden Laien bei ers­ter Be­geg­nung mit dem Spiel ziem­lich rat­los ste­hen las­sen. Aber keine Sorge, man kann es ler­nen, sogar ziem­lich schnell, meint je­den­falls Eva Hol­land, als Schatz­meis­te­rin des Jü­li­cher Bridge­clubs Ju­lia­cum eine echte Fach­frau.

Drei Mal in der Woche, immer diens­tags, mitt­wochs und don­ners­tags, tref­fen sich die Spie­le­rin­nen und Spie­ler in der „Ver­eins­woh­nung“ in der Wie­sen­stra­ße zum Tur­nier. Neu­lin­ge sind gerne will­kom­men, so Frau Hol­land, doch ohne Vor­kennt­nis­se geht es nicht. „Als An­fän­ger muss man erst ein­mal Un­ter­richt neh­men“, sagt die Bridge­ex­per­tin, denn al­lei­ne die „Rei­zung“ zu Spiel­be­ginn hat ihre ei­ge­ne „Spra­che“. Um in­ter­es­sier­ten Bridge­fans in spe den Ein­stieg zu er­leich­tern, bie­tet der Jü­li­cher Bridge­club re­gel­mä­ßig Kurse an. So läuft auch ak­tu­ell, seit dem 19. Sep­tem­ber, ein „Mini-Bridge-Kurs“ in Zu­sam­men­ar­beit mit der Volks­hoch­schu­le (VHS). Und auch wenn das jetzt alles fürch­ter­lich kom­pli­ziert klingt, ab­schre­cken las­sen soll­te sich nie­mand, meint je­den­falls die Ex­per­tin: „Nach zehn Mi­nu­ten kön­nen Sie Ihre erste Hand spie­len.“

An einem klei­nen qua­dra­ti­schen Tisch sit­zen sich je vier Spie­ler ge­gen­über. Auf der grü­nen Decke lie­gen nach ge­nau­en Vor­ga­ben an­ge­ord­ne­te Kar­ten – ob die Spie­ler die Kar­ten waa­ge­recht oder senk­recht vor sich ab­le­gen, ver­rät etwa, ob ein Stich ge­won­nen oder ver­lo­ren wor­den ist. In jeder Ti­sche­cke steht ein Plas­tik­ge­stell mit bunt be­druck­ten Kar­ten – mit die­sen Kar­ten ist vor­her ge­reizt wor­den. Auch ein klei­ner hell­grau­er Kas­ten ge­hört zur Aus­stat­tung auf dem Tisch. Seine Be­deu­tung bleibt dem un­be­darf­ten Beo­b­ach­ter zu­nächst voll­kom­men schlei­er­haft.

Wäh­rend der all­wö­chent­li­chen Tur­nie­re herrscht ge­spann­te Ruhe in den Ver­eins­räu­men an der Wie­sen­stra­ße. Blitz­schnell lie­gen die Kar­ten auf dem Tisch, ge­nau­so schnell wer­den sie als ge­won­ne­ne oder ver­lo­re­ne Sti­che bei­sei­te­ge­legt. Lange dau­ert ein ein­zel­nes Spiel nicht, nach rund acht Mi­nu­ten haben die vier Spie­ler – die üb­ri­gens paar­wei­se spie­len – eine Runde ab­ge­hakt. Pro Tisch wer­den zwei so­ge­nann­te Hände ge­spielt, dann steht der Wech­sel an den nächs­ten Tisch an. Eva Hol­land gibt das Kom­man­do dazu. Eine Stopp­uhr braucht sie dafür nicht. „Wenn das Ge­re­de an­fängt, dann weiß ich, dass die Spie­le alle be­en­det sind“, schmun­zelt die Tur­nier­lei­te­rin, steht auf, ruft „Wech­sel!“ in die Runde und eilt in den Ne­ben­raum. Dort steht ein Lap­top mit einem ei­gens aus­ge­klü­gel­ten Bridge­pro­gramm. Hier wer­den alle ein­zel­nen Er­geb­nis­se ge­sam­melt, so dass die Teil­neh­mer am Ende eines jeden Tur­niers einen ex­ak­ten Über­blick er­hal­ten. Die Er­geb­nis­se wer­den in den „Bridge­ma­te“ ein­ge­tippt, flugs via Ser­ver an den Lap­top ge­sen­det und dort auf­ge­lis­tet. Ge­wis­sen­haft wer­den die Tur­nie­rer­geb­nis­se auf der ver­eins­ei­ge­nen Ho­me­pa­ge unter www.bridge­club-jue­lich.de ge­pflegt und kön­nen dort ein­ge­se­hen wer­den. „Wer be­son­ders flei­ßig ist, sieht sich die Er­geb­nis­se genau an und ver­sucht dann, ein­zel­ne Spie­le noch ein­mal nach­zu­voll­zie­hen“, ver­rät Eva Hol­land. Die Bun­des­li­ga­pro­fis täten das auf jeden Fall. Bun­des­li­ga? Es gibt tat­säch­lich eine Bridge-Bun­des­li­ga? „Ja, es gibt tat­säch­lich eine Bun­des­li­ga“, be­stä­tigt Eva Hol­land lä­chelnd und ver­rät, dass es im Bridge eine ganze Reihe ver­schie­de­ner Leis­tungs­klas­sen gibt, ganz genau wie beim Fuß­ball. Und, den ge­nau­en Grund kann sich auch Fach­frau Hol­land nicht er­klä­ren, je höher die Leis­tungs­klas­se, desto mehr Män­ner sind ver­tre­ten. An die­sem Diens­tagnach­mit­tag sind es in ers­ter Linie Frau­en, die an den grü­nen Tisch­chen in der Wie­sen­stra­ße um Sti­che und Punk­te spie­len, ein ein­zel­ner Mann sitzt da­zwi­schen – „un­ser Ali­bi­mann“ scher­zen die Damen zwi­schen zwei Spiel­run­den.

1981 ist der Jü­li­cher Bridge­club Ju­lia­cum ge­grün­det wor­den – die­ses Jahr steht das 35. Ju­bi­lä­um des Ver­eins an. 16 Bridge­fans waren es, die den Ve­rein einst aus der Taufe hoben. In­zwi­schen hat der Jü­li­cher Club rund 100 Mit­glie­der, auch von den Grün­dungs­mit­glie­dern sind noch ei­ni­ge dabei und spie­len aktiv. 100 Mit­glie­der sind nicht ge­ra­de wenig, den­noch: „Wir freu­en uns über jedes neue Mit­glied“, be­tont Eva Hol­land und lässt durch­bli­cken, dass auch Jü­lichs Bridge­club Nach­wuchs­sor­gen nicht fremd sind. Die ak­ti­ven Spie­le­rin­nen und Spie­ler tref­fen sich diens­tags und mitt­wochs je­weils um 15 Uhr und don­ners­tags um 19 Uhr in der Wie­sen­stra­ße 2 in Jü­lich. Wer die Spra­che des Spiels schon spricht, die Re­geln kennt und schon das eine oder an­de­re Mal ge­spielt hat, darf ein­fach vor­bei­kom­men. „Wenn je­mand kei­nen Part­ner hat, fin­den wir einen“, ist sich Eva Hol­land si­cher. Auch er­war­tet Jü­lichs Bridge­club kein be­stimm­tes Ni­veau, An­fän­ger und Pro­fis sind glei­cher­ma­ßen herz­lich will­kom­men. Und wer es noch nicht kann, der wirft am bes­ten einen Blick in das je­weils ak­tu­el­le VHS-Pro­gramm – „Mini-Bridge-Kurse“ wer­den re­gel­mä­ßig an­ge­bo­ten.

 

Brit­ta Syl­ves­ter