Schluss, aus, fer­tig…

Titel_24_23112013

Der Be­griff „bas­ta“ kommt aus dem Ita­lie­ni­schen und be­deu­tet „ge­nug“ („es ist genug!“ im Sinne von „es reicht!“) oder „Schluss“. Bei­des passt ja zu die­sem Text, der in der letz­ten Aus­ga­be des Her­zogs für die­ses Jahr er­scheint. Und es reicht ja jetzt wirk­lich! Oder etwa nicht?

Zu­ge­ge­ben, wir hat­ten einen spät ein­set­zen­den, dafür aber schö­nen und lan­gen Som­mer. Mit ein­zel­nen Tagen reich­te er sogar bis in den Ok­to­ber. Da­ne­ben gab es aber einen Bun­des­tags­wahl­kampf vol­ler Wi­der­sprü­che, was sich auch auf das Er­geb­nis nie­der­schlug. Wenn das Jahr in we­ni­gen Wo­chen tat­säch­lich vor­bei ist, haben wir viel­leicht auch eine neue Re­gie­rung. Nun bin ich nicht Ger­not Hass­knecht aus der „heu­te show“, der mit sei­nen Wut­aus­brü­chen in­ner­halb kür­zes­ter Zeit zur Kult­fi­gur avan­cier­te. (Die Wo­chen­zei­tung „Zeit“ mun­kel­te vor ei­ni­gen Wo­chen in ihrem Po­li­tik­teil durch­aus an­er­ken­nend, dass junge Leute ihre Kennt­nis­se über die Ta­ges­po­li­tik in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eben die­ser „heu­te show“ ver­dan­ken wür­den.) Aber zwi­schen­durch etwas Dampf ab­las­sen, sei jedem zu­ge­stan­den. Und da halte ich es mit dem un­ver­gleich­li­chen Jo­chen Malms­hei­mer, der sei­nen Kampf für das But­ter­brot be­ste­hend aus Grau­brot, „Gu­te­but­ter“ (ein Wort!) und Cer­ve­lat­wurst (drei Schei­ben!) mit der Be­mer­kung ein­lei­tet, dass frü­her nicht alles bes­ser war, aber was frü­her gut war, noch heute gut wäre, wenn man die Fin­ger davon ge­las­sen hätte. Dem ist un­ein­ge­schränkt zu­zu­stim­men. Ich will hier nicht falsch ver­stan­den wer­den. Ich bin nicht grund­sätz­lich gegen Ver­än­de­run­gen, ganz im Ge­gen­teil: Als je­mand, der sich in­ten­siv mit Ge­schich­te be­schäf­tigt, weiß ich, dass Leben Ver­än­de­rung be­deu­tet. Trotz­dem packt man sich an den Kopf, wenn man merkt, dass wie­der ein­mal Schwach­sinn zum Kon­zept er­ho­ben wurde. Ich ver­zich­te hier auf kon­kre­te Bei­spie­le; jeder mag sich dies­be­züg­lich sei­nen Teil den­ken.

Schon in der Ver­gan­gen­heit reich­te es man­chem und seine in­ne­re Ge­müts­la­ge brach sich un­ver­mit­telt Bahn, was auch schon ein­mal Fürs­ten so er­ging. Ein spre­chen­des Bei­spiel hier­für ist Her­zog Jo­hann Wil­helm von Pfalz-Neu­burg (1658-1716), der als Her­zog von Jü­lich-Berg von Düs­sel­dorf aus seine zahl­rei­chen Ter­ri­to­ri­en re­gier­te. Die Düs­sel­dor­fer haben den kunst­sin­ni­gen Her­zog in ihr Herz ge­schlos­sen und nen­nen ihn lie­be­voll „Jan Wel­lem“. Zur volks­tüm­li­chen Figur wurde der Her­zog aber erst viel spä­ter, nicht zu­letzt durch seine bis heute an­dau­ern­de Prä­senz in sei­nem statt­li­chen Rei­ter­denk­mal, das sich auf dem Düs­sel­dor­fer Markt­platz be­fin­det. Ge­schaf­fen hat die­ses au­ßer­ge­wöhn­li­che Denk­mal sein Hof­bild­hau­er Ga­bri­el Gru­pel­lo. Die­sem fühl­te sich Jo­hann Wil­helm sehr ver­pflich­tet, so dass er ihn reich be­schenk­te, was wie­der­um sei­nen Räten nicht ge­fiel. Als diese sich den her­zog­li­chen Wün­schen, die ja ei­gent­lich Be­feh­le waren, wi­der­setz­ten, platz­te es aus Jo­hann Wil­helm im Jahr 1704 in einem Brief an sei­nen Hof­kanz­ler her­aus: „… fängt der Pall­mers und die üb­ri­gen Räte al­ler­hand Schi­ka­nen an, indem sie Gru­pel­lo und alls schö­nen frei­en Küns­ten von Grund auf Feind sind und das aus kei­nem an­de­ren Grund, als weil sie sol­che schö­nen Sa­chen nicht ver­ste­hen und ein Hau­fen Esel und Idio­ten sind, wel­che lie­ber den gan­zen Tag sau­fen, spie­len und ta­bac­cie­ren (rau­chen), als sich mit sol­chen tu­gend­li­chen und schö­nen Wis­sen­schaf­ten zu be­schäf­ti­gen. Ihr aber, mein lie­ber Hof­kanz­ler, wisst sol­che großen Künst­ler, wie der Che­va­lier Gru­pel­lo und an­de­re es sind, mehr zu schät­zen, als alle der­glei­chen Plack­schei­ßer…“ Man möch­te ge­ra­de­zu ein „und damit basta!“ er­gän­zen. Die Klage über das Un­ver­ständ­nis, mit der man hier Kunst und Kul­tur be­geg­net, ist also kei­nes­wegs neu. Auf­fäl­lig ist, dass die Wort­wahl des Her­zogs sehr def­tig ist.

Auf dem of­fi­zi­el­len Par­kett des hö­fi­schen Le­bens wird er sich so wohl kaum ge­äu­ßert haben. In der heu­ti­gen Po­li­tik ist das mit­un­ter an­ders. Hier wer­den viel­mehr Stil­brü­che und ver­ba­le Ent­glei­sun­gen be­wusst ein­ge­setzt, um Auf­merk­sam­keit zu er­lan­gen, und zwar ge­gen­über den di­rek­ten Zu­hö­rern, wie der Pres­se. So ist es ja Ger­hard Schrö­der selbst zu ver­dan­ken, dass man seine Po­li­tik als „Bas­ta-Po­li­tik“ be­zeich­ne­te. Zu­rück geht dies auf eine Rede aus dem Jahr 2000, die er als Bun­des­kanz­ler vor Ge­werk­schafts­ver­tre­tern hielt. Ge­gen­über die­sen ver­tei­dig­te er die Ren­ten­po­li­tik sei­ner Re­gie­rung – Stich­wort „Ries­ter­ren­te“ –, die von den Ge­werk­schaf­ten größ­ten­teils kri­tisch ge­se­hen wurde. Der Unmut der Zu­hö­rer über seine Aus­füh­run­gen war mit Hän­den zu grei­fen, so dass er am Ende aus­rief: „Es ist not­wen­dig und wir wer­den es ma­chen. Basta!“

Schluss! Aus! Auf­hö­ren! Es reicht! Wer­den Sie jetzt ein­wer­fen und damit haben Sie aus­nahms­wei­se ein­mal voll­kom­men recht… und damit basta!

 

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Guido von Büren