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Mahl­zeit! Dass Jü­lich nicht nur His­to­rie und For­schung, son­dern auch Ku­li­na­ri­sches zu bie­ten hat, be­wei­sen die vie­len Feste, die es rund ums Jahr zu fei­ern gibt. Vom Wein­fest, Bier­fest, Street­food-Fes­ti­val, Re­naissance-Pick­nick über den Ge­nuss­bahn­hof bis zum Fei­er­abend­markt gibt es in der Her­zog­stadt immer wie­der Le­cke­res auf die Ti­sche und Bänke, um ge­sel­lig zu ge­nie­ßen. Sei­nen Hö­he­punkt fin­det der le­cke­re Rei­gen alle zwei Jahre mit dem Fest der Kul­tu­ren. Neben den vie­len kul­tu­rel­len Dar­bie­tun­gen von Verei­nen und In­sti­tu­tio­nen wird hier vor allem ku­li­na­risch prä­sen­tiert, was die große weite Welt zu bie­ten hat. Jojo Bo­tu­li aus der afri­ka­ni­schen Re­pu­blik Kongo, Ji­an­fang Xu vom Chi­ne­si­schen Kul­tur­ver­ein und Chris­ti­ne Nehme, die mit ihrer Fa­mi­lie den Li­ba­non ver­tritt, er­zäh­len über ihre Er­fah­run­gen rund um das Fest der Kul­tu­ren. Sie las­sen sich in die in­ter­na­tio­na­len Töpfe gu­cken und be­wei­sen, dass manch­mal eben nicht viele Köche den Brei ver­der­ben, son­dern durch die Viel­falt der An­ge­bo­te für ein le­cke­res ku­li­na­ri­sches Er­leb­nis sor­gen.

 

Wie oft waren Sie schon dabei?

Jojo Bo­tu­li: Wir waren schon zwei oder drei Mal dabei, um die afri­ka­ni­sche Küche an­zu­bie­ten.

Chris­ti­ne Nehme: Wir waren be­reits zwei­mal beim Kul­tur­fest dabei und neh­men die­ses Jahr zum drit­ten Mal daran teil. Mit un­se­ren Ge­rich­ten möch­ten wir den Men­schen un­se­re Hei­mat, den Li­ba­non, vor­stel­len und dabei einen Bruch­teil un­se­rer ara­bi­schen Kul­tur ver­mit­teln.

Ji­an­fang Xu: Und wir haben be­reits ganz von ganz An­fang an immer teil­ge­nom­men.

 

Was gibt es den in die­sem Jahr Le­cke­res zu essen?

Jojo Bo­tu­li: Also wir wer­den Mi­ka­te aus He­fe­teig, ge­grill­te Ma­kre­len, ge­ba­cke­ne Bana­nen – Ma­kem­ba – und Rin­der­spie­ße – Ka­mun­de­le – an­bie­ten kön­nen.

Chris­ti­ne Nehme: An un­se­rem Stand gibt es, so wie in den letz­ten Jah­ren, Fala­fel mit fri­schem Salat und Se­sams­au­ce. Das Ganze wird in ara­bi­sches Brot ein­ge­rollt. Au­ßer­dem wer­den wir die­ses Jahr zum ers­ten Mal so ge­nann­te „Ma­nai­ish“ dabei haben – das ist ein Teig­ge­bäck mit einer Oli­ven-Öl-Sesam-Thy­mi­an-Paste.

Ji­an­fang Xu: Wir bie­ten wie jedes Mal un­ter­schied­li­che Sa­chen an – einen Qu­er­schnitt durch die chi­ne­si­sche Küche.

 

Wer be­rei­tet das denn wann vor?

Jojo Bo­tu­li: Vier Frau­en aus un­se­rem Ve­rein sind den gan­zen Vor­tag mit Vor­be­rei­tun­gen be­schäf­tigt.

Chris­ti­ne Nehme: Das Essen wird haupt­säch­lich von Mama Leila be­reits eine Woche vor­her vor­be­rei­tet. Papa Adnan ist dabei eine wich­ti­ge Un­ter­stüt­zung. Die rest­li­chen Fa­mi­li­en­mit­glie­der hel­fen am Tag des Kul­tur­fes­tes bei der Zu­be­rei­tung der Fala­fel-Sand­wi­ches – Fala­fel frit­tie­ren und in Brot ein­rol­len mit Salat und Se­sams­au­ce.

Ji­an­fang Xu: Un­se­re Mit­glie­dern haben für den Tag alles ge­mein­sam schon Tage vor­her vor­be­rei­tet.

 

Sind es tra­di­tio­nel­le Spei­sen?

Jojo Bo­tu­li: Na­tür­lich, die in Jü­lich ge­zeig­te afri­ka­ni­sche Küche ist durch und durch tra­di­tio­nell.

Chris­ti­ne Nehme: Beide Ge­rich­te, so­wohl Fala­fel als auch Ma­nai­ish, sind tra­di­tio­nel­le li­ba­ne­si­sche Ge­rich­te.

Ji­an­fang Xu: Ja na­tür­lich.

 

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Ist es das Lieb­lings­es­sen von je­man­dem aus der Fa­mi­lie?

Jojo Bo­tu­li: Bei mir in der Re­pu­blik Kongo haben wir viele Lieb­lings­es­sen. Was wir auf dem Fest der Kul­tur an­bie­ten, ent­steht aus dem, was wir in Deutsch­land fin­den kön­nen – und das sind ver­schie­de­ne Ge­mü­se, Wild­fleisch, Fi­sche, Wur­zeln und an­de­res.

Chris­ti­ne Nehme: Die ge­sam­te Fa­mi­lie isst gerne Fala­fel und auch Ma­nai­ish. Die Kin­der be­vor­zu­gen al­ler­dings das Teig­ge­bäck Ma­nai­ish, weil es klein ist und or­dent­lich satt macht.

Ji­an­fang Xu: Es hängt davon ab, wel­ches Ge­richt es ist. Ge­bra­te­ne Nu­deln, ge­dämpf­te ge­füll­te Bröt­chen, Maul­ta­schen, Früh­lings­rol­len oder Liang Pi – ein Art breit Glas­nu­deln – essen die meis­ten Leute sehr gern.

 

Wieso ist das Fest der Kul­tu­ren eine so be­lieb­te Ver­an­stal­tung?

Jojo Bo­tu­li: Das fest ist eine tolle Ge­le­gen­heit, un­se­re Kul­tur zu zei­gen.

Chris­ti­ne Nehme: Das Kul­tur­fest ist eine so schö­ne Ver­an­stal­tung, weil es viele Snacks und Ge­rich­te aus den un­ter­schied­lichs­ten Län­dern an­bie­tet. Man er­hält einen klei­nen aber gleich­zei­tig tief­grün­di­gen Ein­druck in die ge­würz­li­che Viel­falt der teil­neh­men­den Kul­tu­ren aus aller Welt und das auf einem klei­nen Markt­platz.

Ji­an­fang Xu: Durch die Ver­an­stal­tung kön­nen wir die an­de­re Na­tio­na­li­tä­ten, die an­de­ren Kul­tu­ren und auch die Leute ken­nen­ler­nen.

 

Essen Sie sel­ber an dem Tag etwas aus einem an­de­ren Land und wenn ja, was am liebs­ten?

Jojo Bo­tu­li: Ja na­tür­lich, aber ich weiß ich nicht mehr, wie es heißt.

Chris­ti­ne Nehme: Wir essen gerne am Fest der Kul­tu­ren von der nord­afri­ka­ni­schen Küche. Cous­cous ist zum Bei­spiel sehr le­cker.

Ji­an­fang Xu: Ja, ich möch­te immer auch das Essen von an­de­ren Län­dern ken­nen­ler­nen. Manch­mal pro­bie­re ich es sel­ber aus.

 

Wie lange be­rei­tet man sich denn dar­auf vor?

Jojo Bo­tu­li: Ei­ni­ge Mo­na­te sind es schon von der ers­ten Idee bis zur Um­set­zung.

Chris­ti­ne Nehme: Für die Vor­be­rei­tung soll­te man mit einer Woche rech­nen – was das Essen an­geht. Or­ga­ni­sa­to­risch be­gin­nen die Über­le­gun­gen -wie man sich prä­sen­tie­ren soll, was man tra­gen soll – ei­ni­ge Wo­chen vor­her. Im großen Team mit allen Teil­neh­mern trifft man sich al­ler­dings re­gel­mä­ßig schon viele Mo­na­te vor dem Be­ginn des Fes­tes.

Ji­an­fang Xu: Das ist ganz un­ter­schied­lich. Aber ei­ni­ge Zeit brau­chen wir schon.

 

Wird ei­gent­lich immer alles auf­ge­ges­sen?

Jojo Bo­tu­li: Nein, es wird auch noch der letz­te Be­su­cher satt. Die Reste ver­tei­len wir dann unter uns.

Chris­ti­ne Nehme: Bis­lang haben wir die Er­fah­rung ge­macht, dass immer alles auf­ge­ges­sen wurde. Vor allem die ve­ge­ta­ri­schen Fala­fel sind bis zum spä­ten Nach­mit­tag schon ver­kauft. Des­we­gen wer­den die­ses Jahr noch grö­ße­re Men­gen als in den vor­he­ri­gen Jah­ren vor­be­rei­tet.

Ji­an­fang Xu: Meis­tens ja – und das ist gut so.

 

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Wie kommt man an be­nö­tig­te und hier nicht ge­bräuch­li­che Ge­wür­ze? 

Jojo Bo­tu­li: Wir ver­wen­den nur Ge­wür­ze aus Deutsch­land.

Chris­ti­ne Nehme: Um an die Ge­wür­ze zu kom­men, bie­tet sich na­tür­lich die Reise in das je­wei­li­ge Land an (lacht)… an­dern­falls fin­det man mitt­ler­wei­le auch die nö­ti­gen Ge­wür­ze in Ge­würz­lä­den. Einen haben wir ja auch in Jü­lich.

Ji­an­fang Xu: Zum Glück gibt es in Jü­lich einen Asia-Shop, dort kau­fen wir.

 

Gibt es schon Stamm­gäs­te ?

Jojo Bo­tu­li: Aber ja. Da gibt es schon ei­ni­ge Be­su­cher. Wir ken­nen keine Namen, meis­tens sind es Kun­den. Für die Vor­be­rei­tung kom­men wir alle aus Düren und Jü­lich.

Chris­ti­ne Nehme: Wir tref­fen jedes Jahr neue Men­schen, die un­se­re li­ba­ne­si­schen Fala­fel pro­bie­ren wol­len. Die ein oder an­de­ren Ge­sich­ter kennt man aber auch noch vom vor­he­ri­gen Jahr. Viele Freun­de, Ar­beits­kol­le­gen und Be­kann­te wer­den früh­zei­tig über das Kul­tur­fest in­for­miert. Sie kom­men meist am Mit­tag vor­bei und blei­ben auch gerne am Stand ste­hen und schau­en, wie die Fala­fel frit­tiert und ein­ge­rollt wer­den. Es gibt viele Tipps und Tricks beim Ein­rol­len der Fala­fel in das Brot, das kann man sich ja ab­gu­cken und zu Hause nach­ma­chen.

Ji­an­fang Xu: Ja – von Jahr zu Jahr mehr.

 

Wie oft gibt es die von Ihnen an­ge­bo­te­nen Spei­sen im All­tag?

Jojo Bo­tu­li: Also so ein bis zwei Mal in der Woche.

Chris­ti­ne Nehme: Ma­nai­ish gibt es jeden Sonn­tag. An dem Tag ist die Fa­mi­lie grund­sätz­lich zum ge­mein­sa­men Früh­stück ver­eint. Fala­fel gibt es alle paar Wo­chen.

Ji­an­fang Xu: Ge­bra­te­ne Nu­deln, ge­dämpf­te ge­füll­te Bröt­chen und Maul­ta­schen ko­chen wir oft.

 

Von wem sind die Re­zep­te und wo­nach schmeckt Ihre Hei­mat?

Jojo Bo­tu­li: Die Re­zep­te gab es schon lange bevor wir ko­chen ge­lernt haben.

Chris­ti­ne Nehme: Die Re­zep­te sind von Mama Leila. Diese hat die Re­zep­te von ihrer Mut­ter und diese wie­der­um von ihrer usw…. (lacht). Der Li­ba­non schmeckt nach Thy­mi­an, fri­tier­ten Fala­fel und ganz vie­len ori­en­ta­li­schen Ge­wür­zen.

Ji­an­fang Xu: Wir ko­chen ohne Re­zep­te, je nach Be­darf, und ver­bes­sern diese immer wei­ter. China ist so groß, viele ver­schie­de­ne Ort haben ver­schie­de­ne Vor­lie­ben – und damit auch Ge­schmä­cker.

 

Wel­ches ty­pisch deut­sche Essen mögen Sie?

Jojo Bo­tu­li: Kar­tof­fel­sa­lat und Kar­tof­fel­gra­tin!

Chris­ti­ne Nehme: Das ty­pi­sche deut­sche Ge­richt, was wir gerne zu Hause essen, ist Spar­gel mit Ge­mü­se und Sauce Hol­land­ai­se. Wir essen aber auch sehr gerne Kar­tof­fel­gra­tin.

Ji­an­fang Xu: Haxe mit Sau­er­kraut oder Rind­gu­lasch – le­cker!

 

 

Die In­ter­views führ­te Gisa Stein