und ein Aus­schnitt aus 23 Jah­ren Jü­li­cher Mu­sik­sze­ne

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Be­trach­tet der Her­zog das ak­tu­el­le Logo sei­ner Stadt, so fällt ihm auf, dass zwi­schen His­to­ri­scher Fes­tungs­stadt und Mo­der­ner For­schungs­stadt was durch­aus Be­deu­ten­des fehlt. Jü­lich ist eine Rock­ci­ty und im De­zem­ber tritt die hie­si­ge Rock- und Pop­mu­sik­sze­ne wie­der den Be­weis an. Der 8. Jü­lich­samp­ler er­scheint und auf ihm sind wie­der 29 Bands mit je­weils einem Titel ver­sam­melt. Die Re­lea­se der Dop­pel CD wird ent­spre­chend ge­fei­ert, alle Bands tre­ten live auf und las­sen den KuBa zwei Tage lang beben. Ein Grund für einen Blick in die Ver­gan­gen­heit zu­sam­men mit Mar­kus Uhlen­bruck und Cor­nel Cre­mer von den Not-in-Tune Re­cords. 

Her­zog: Hallo Mar­kus, Hallo Cor­nel, der 8. Jü­lich Samp­ler ist fer­tig, dazu spä­ter mehr, be­gin­nen wir mit dem 1. Jü­lich Samp­ler.

Cor­nel: Nun von den ers­ten bei­den Jü­lich­samp­lern kön­nen wir nicht viel er­zäh­len, da beide vor Ur­zei­ten, in der Zeit als Punk­rock und New Wave die an­ge­sag­te Musik war, ent­stan­den sind. An­fang der 80er ver­öf­fent­lich­ten Kalle Hom­mels­heim und Win­nes Ra­de­mä­chers zwei Jü­lich­samp­ler auf Mu­sik­kas­set­te.

Mit dabei waren da­mals Bands wie Ba­teau X spä­ter be­kannt als Two Bones und Bones. Als Bones er­hiel­ten sie einen Major-Plat­ten­ver­trag bei EMI. Mu­sik­in­ter­es­sier­te er­in­nern sich si­cher­lich auch noch an ihren C&A Wer­be­song im Jahre 1993. Beide Kas­set­ten sind längst ver­grif­fen.

Mar­kus: Mit dabei waren da­mals u.a. The Blue Beat, Lord Louis an d the ene­mies of men, Sta­lin­grad ‚43 und Per­ver­ser Haut­be­fall.

 

Her­zog: Und dann …

Mar­kus: Und dann, ja dann kam lange nichts, bis dann 1997 die glor­rei­che KuBa-Zeit be­gann. Ende der Neun­zi­ger ver­sam­mel­te sich die junge Mu­sik­sze­ne im KuBa und im Mai 1998 ver­an­stal­te­ten wir ge­mein­sam mit dem KuBa das erste Lou­d’n’Proud Fes­ti­val als KuBa-Mobil Kon­zert in der Stadt­hal­le. Le­gen­där. Mit D-Mark und Frei­bier. Ein­zig­ar­tig, zu­min­dest in der Stadt­hal­le. Und ir­gend­wann kam ir­gend­je­mand auf die Idee einen neuen Jü­lich­samp­ler zu ma­chen.

 

Her­zog: Die Idee war ge­bo­ren, aber wie wurde sie um­ge­setzt?

Cor­nel: Das war da­mals alles re­la­tiv easy, man traf sich eh re­gel­mä­ßig in den Pro­beräu­men im KuBa oder in der Knei­pe und so mach­te das Vor­ha­ben schnell die Runde und die ers­ten Auf­nah­men von den Bands waren schnell ein­ge­sam­melt. Wir nah­men Kon­takt zu Kalle Hom­mels­heim auf, der uns mit Rat und Tat un­ter­stütz­te und der bis heute alle Cover ge­zeich­net hat.

Mar­kus: Und dann fand am 14.11.1998 das Re­lea­se Kon­zert der MC im KuBa statt, und da zu die­ser Zeit Kon­zer­te im Kuba ver­bo­ten waren, spiel­ten alle Bands Play­back, ein großer Spaß war das. Man­che waren Play­back bes­ser als live…

Cor­nel: 12 Bands stan­den da­mals auf der Play­back­büh­ne, dar­un­ter so klang­vol­le Namen wie The Socks, D-Sai­lors und A-Scrum. Die Kas­set­te wurde uns förm­lich aus den Hän­den ge­ris­sen und war recht schnell ver­grif­fen.

 

Her­zog: Und damit be­gann die Er­folgs­ge­schich­te, oder?

Mar­kus: Er­folgs­ge­schich­te ist viel­leicht etwas hoch­ge­grif­fen, aber es mach­te da­mals viel Spaß. Wir grün­de­ten das mitt­ler­wei­le stadt­be­kann­te Label „Not in Tune Re­cords“ und ent­schie­den uns 2000 den nächs­ten Jü­lich Samp­ler in An­griff zu neh­men und dies­mal auf CD zu pres­sen. Un­se­rem Auf­ruf folg­ten 20 Bands, und der da­ma­li­ge KuBa- und D-Sai­lors Mi­scher Mar­tin Bach­ner hatte eine Menge Ar­beit, denn er muss­te di­ver­se Ne­w­co­mer-Bands so ab­mi­schen, dass was qua­li­ta­tiv gut Hör­ba­res ent­stand, das ein oder an­de­re Mal eine echte Her­aus­for­de­rung.

Cor­nel: Und dann sind wir mit den 20 Songs nach Hol­land, in das Stu­dio von Rick Op­ge­noorth, bei dem wir auch un­se­re ei­ge­nen CDs ein­spiel­ten. Er hat die Mas­ter CD ab­ge­mischt und un­se­re erste Jü­lich Samp­ler CD wurde dann im Press­werk in Als­dorf ge­presst.

 

Her­zog: Und si­cher­lich waren wie­der klang­vol­le Namen dabei, auch durch­aus ein Mar­ken­zei­chen Jü­li­cher Bands.

Cor­nel: Ja, die Namen sind wich­tig, sehr wich­tig, sie sind sowas wie das Motto der Band, das Mar­ken­zei­chen und es ist sehr schwer was Pas­sen­des zu fin­den und wir sind immer wie­der be­geis­tert, wenn wir die Boo­klets lesen. Auf dem 4. Samp­ler waren Bands wie Chee­se & Onion, Bliss, Dis­dain, Blend of Choi­ce oder Ato­mixx dabei. Und der Er­folg der CD über­stieg un­se­re Er­war­tun­gen und die Freu­de und der Spaß, den wir mit allen Mu­si­kern hat­ten mo­ti­vier­te uns, wei­ter zu ma­chen.

 

Her­zog: 2004 kam der 5. Jü­lich Samp­ler her­aus, wie­der im Ab­stand von drei Jah­ren, wieso keine Olym­pia­de, wieso drei Jahre?

Mar­kus: Zu­fall, es hat sich ein­fach so er­ge­ben….

 

Her­zog: Und dann kam 2007. Vi­el­leicht das größ­te mu­si­ka­li­sche Er­eig­nis der letz­ten 20 Jahre. Kann man das so sagen?

Cor­nel: Das darfst du uns nicht fra­gen, aber es war schon eine große Sache, ganz großes Kino. Als wir 2007 un­se­ren Auf­ruf per Mail star­te­ten mel­de­ten sich 34 Bands aus Jü­lich an und alle lie­fer­ten pünkt­lich ihren Song ab. Damit waren wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen not­wen­dig. Aus der CD wurde eine Dop­pel CD, aus dem Re­lea­se Kon­zert wurde ein Mam­mut Fes­ti­val mit ca. 150 Mu­si­kern, 34 Bands an 2 Tagen auf 2 Büh­nen, 15 Stun­den Rock­mu­sik made in Jü­lich. Und damit hat­ten wir Jü­lich zur Rock­ci­ty ge­macht. Auf 1000 Ein­woh­ner kommt eine Rock­band, damit lag Jü­lich 2007 im bun­des­deut­schen Ran­king unter den ers­ten drei.

Mar­kus: Wenn ich daran zu­rück­den­ke, frage ich mich schon, wie das alles funk­tio­nier­te, aber es funk­tio­nier­te, weil ein­fach alle mit­mach­ten und den Er­folg woll­ten. Das Ca­te­ring, 200 Por­tio­nen Gu­la­such­sup­pe, 34 Gema Lis­ten, laut Liste war auch Elvis im Haus, das Art­work kam von Hacky Po­sau­ne, der sel­bi­ge gegen sei­nen ers­ten IMac ein­tausch­te, eine gute Ent­schei­dung, 10 Wech­sel­geld-Kas­sen waren im Ein­satz und und und.

 

Her­zog: Das wäre doch ein ge­eig­ne­ter Zeit­punkt zum Auf­hö­ren ge­we­sen – auf dem Hö­he­punkt.

Mar­kus: Das haben wir auch über­legt. Es hatte sich viel ver­än­dert, welt­weit hat der Ipod die kom­plet­te Mu­sik­in­dus­trie ver­än­dert, Kon­zer­te waren plötz­lich ir­gend­wie out, Par­tys waren an­ge­sagt und in Jü­lich lös­ten sich ei­ni­ge der bes­ten Bands auf. Und wir dach­ten uns, dann ma­chen wir noch einen Samp­ler und dann ist Schluss.

Cor­nel: Damit war der Weg frei für den 7. Jü­lich­samp­ler, und er er­reich­te na­he­zu in allem das 2007-er Pro­jekt. 32 Bands auf dem Samp­ler und wie­der ca. 150 Mu­si­ker an zwei Tagen auf zwei Büh­nen.

 

Her­zog: Aber mit dem Schluss hat es wie­der nicht ge­klappt. Warum nicht?

Cor­nel: Rock­ci­ty Jü­lich, das ist für uns das Mar­ken­zei­chen un­se­rer Stadt und wir woll­ten es noch ein­mal wis­sen. Wir woll­ten prü­fen, ob Jü­lich das Label noch hal­ten kann. Und um das her­aus­zu­fin­den, star­te­ten wir An­fang des Jah­res den Auf­ruf zum 8. Jü­lich­samp­ler. Und das Er­geb­nis hat uns po­si­tiv über­rascht. 29 Bands mel­de­ten sich, eine Zahl, mit der wir nicht ge­rech­net hät­ten.

Mar­kus: Wir waren platt, und die Mu­sik­brei­te hat sich deut­lich wei­ter ent­wi­ckelt, die ers­ten Samp­ler waren ziem­lich punk- und me­tal­las­tig, und jetzt gibt es fast für jeden Ge­schmack was, Bal­la­den und Metal, Pop und Punk, Deutsch Rock und Elek­tro.

 

Her­zog: Gibt es eine Band, die auf allen Samp­lern ver­tre­ten war?

Cor­nel: Vi­el­leicht Man­ti­cor, ich bin nicht si­cher, ei­ni­ge Mu­si­ker wie Clau­dio D’Or­sa­neo, Ing­mar Krau­se und Andy Cor­mann sind, denke ich, immer dabei ge­we­sen, aber als Band hat nur Man­ti­cor alles über­dau­ert.

 

Her­zog: Ich wün­sche euch viel Er­folg für die Re­lea­se-Party und bre­che das In­ter­view hier ab, Schluss aus – basta. Kommt zur Re­lea­se-Party, dort wer­den alle wei­te­ren Fra­gen von klang­vol­len Namen wie Bal­li­stic, Baby!, Schlag­sai­te, Tag 2 oder Dolce Vita mu­si­ka­lisch be­ant­wor­tet.

 

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Chri­stoph Kle­mens

Foto: Cor­nel & Mar­kus