weiler2web1Ga­brie­le Wei­ler

 

Wenn der 24. Kunst­hand­wer­ke­rin­nen­markt in Jü­lich am 10. und 11. Juni je­weils von 11 bis 18 Uhr rund 30.000 Be­su­cher auf den Schloss­platz lockt, weil über 250 Frau­en ihr krea­ti­ves Hand­werk prä­sen­tie­ren, wird auch Ga­brie­le Wei­ler wie­der dabei sein. Als De­si­gne­rin kre­i­ert sie nicht nur Be­klei­dung, son­dern ent­wirft auch die dafür ver­wen­de­ten Stoff­mus­ter und ver­tritt damit ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Hand­werk.

 

Seit 27 Jah­ren ist Ga­brie­le Wei­ler aus Stet­ter­nich selb­stän­dig als De­si­gne­rin und Kunst­hand­wer­ke­rin. Ihre Pro­duk­te ent­ste­hen in einem lan­gen und auf­wän­di­gen Pro­zess – diese den be­geis­ter­ten Kun­din­nen mit auf ihren Weg zu geben ist das Ziel eines lei­den­schaft­li­chen Ge­stal­tungs­pro­zes­ses.

 

„Ich pro­du­zie­re gerne. Schon immer woll­te ich etwas her­stel­len. Egal ob ba­cken, ko­chen oder nähen, ich woll­te schon immer etwas ma­chen, das nicht nur funk­tio­nal, son­dern auch noch schön ist.“ Be­son­ders ihre schnei­dern­de Groß­mut­ter hat ihr ge­zeigt wie es geht. Als Kind hat Ga­brie­le Wei­ler neben ihr ge­ses­sen und be­ob­ach­tet, wie das Pedal der Näh­ma­schi­ne ge­tre­ten wurde und aus zwei Stoff­tei­len eines wurde. „Oma hat mich ein­fach bei der Hand ge­nom­men. Wenn etwas nicht rich­tig war, wurde es wie­der auf­ge­trennt und ge­zeigt wie es rich­tig ging“, er­in­nert sie sich dank­bar an diese Wei­chen­stel­lung.

 

Diese Be­geis­te­rung sorg­te zu­nächst dafür, dass sie sich zur Mo­dis­tin aus­bil­den ließ. Hüte hat­ten es ihr an­ge­tan und so kam es, dass sie mit ihren wa­gen­rad­großen Mo­del­len in dem klei­nen Ort für Auf­re­gung sorg­te und meist be­wun­dern­de Bli­cke ern­te­te, wenn sie sich mor­gens auf den Weg zur Bus­hal­te­stel­le mach­te. In den mo­disch schril­len 80er Jah­ren schaff­te sie es so, noch ein wenig schril­le­re Ak­zen­te zu set­zen. Sie nähte auch pas­sen­de Klei­dung dazu, doch „die Stof­fe ge­fie­len mir alle nicht, des­halb habe ich diese ir­gend­wann sel­ber kre­i­ert“. Far­ben und Mus­ter in un­zäh­li­gen Kom­bi­na­tio­nen wur­den seit­dem ent­wor­fen und ver­strickt und ver­näht. Sie stu­dier­te Pro­dukt- und Ob­jekt-De­sign an der Fach­hoch­schu­le in Aa­chen, un­ter­nahm Stu­di­en­rei­sen nach Ita­li­en, Frank­reich und Na­mi­bia, sam­mel­te Far­ben und Ein­drücke und grün­de­te in Jü­lich mit „Ve­nus“ ihr ei­ge­nes Label mit ei­ge­ner Pro­duk­ti­on. Sie mach­te sich selb­stän­dig und führ­te viele Jahre ein Ge­schäft mit Da­men­mo­de und Ac­ces­soires. Da­mals bot sie noch die kom­plet­te tex­ti­le Ma­te­ri­al­welt von Seide über Hanf, Lei­nen und Wolle für Da­meno­ber­be­klei­dung an, dazu afri­ka­ni­sche Glas­per­len. Sie ent­wi­ckel­te sich und ihre Pro­duk­te ste­tig wei­ter, spe­zia­li­sier­te sich auf die Pro­duk­ti­on eines ei­ge­nen Jac­quard­walks zur Fer­ti­gung einer ex­klu­si­ven Da­men­kol­lek­ti­on unter dem Namen „Ge­sel­lin“.

 

weiler2webSeit 2009 ent­wirft sie die be­son­ders ge­frag­ten Ex­po­na­te: eine klei­ne Strick­kol­lek­ti­on, die Tü­cher und Schals in Me­ri­no­wol­le um­fasst. Fäden, Far­ben, Mus­ter – Ga­brie­le Wei­ler wählt sie bei jedem Stück mit Be­dacht. So wer­den es oft­mals Lieb­lings­stücke – ihre und die der Kun­din­nen. Wie ent­steht so ein Lieb­lings­stück? „Die Idee ist ei­gent­lich nur ein Ge­fühl. Damit fängt es an. Manch­mal ist es der Gar­ten, die Pflan­zen, die In­sek­ten oder nur der be­tö­ren­de Gera­ni­en­duft, der sich nach einem hei­ßen Som­mer­tag in den Abend­stun­den in den Gar­ten er­gießt. Oder das Frös­teln im Spät­som­mer am Lieb­lings­platz im Gar­ten oder die über­wäl­ti­gen­de Schön­heit eines Klos­ters in all sei­ner Ein­fach­heit und doch über­schäu­men­der Or­na­men­tik in Ka­pi­tel­len und Wand­ma­le­rei­en. Vi­el­leicht sind es auch die Farb­kom­bi­na­tio­nen, mit der uns die Natur in ihrer Groß­zü­gig­keit jeden Tag ver­wöhnt. Die Sehn­sucht, die­ser Schön­heit ganz nah zu sein, in­spi­riert mich, Mus­ter zu ent­wer­fen wie ´Win­ter­li­bel­len` oder ´Das Gar­ten­mus­ter`. Der klei­ne Schmet­ter­ling, irr­tüm­lich ge­weckt von einem Son­nen­strahl im De­zem­ber, fin­det sich in mei­nem Schmet­ter­lings­mus­ter ge­wür­digt“, so Ga­brie­le Wei­ler.

 

Frau­en las­sen sich von ihr gern be­ra­ten, und über­ra­schen. „Manch­mal pas­siert das aber auch um­ge­kehrt. Da su­chen sich Kun­din­nen ein Be­klei­dungs­stück aus, das ich für sie nie aus­ge­wählt hätte und es sieht ein­fach toll aus. Dann ist die Über­ra­schung ganz auf mei­ner Seite“, gibt sie zu.

Gisa Stein