IMG_0131_bea_web

 

Klaus Ah­lert ist ein ge­frag­ter Mann über die Gren­zen der Her­zog­stadt hin­aus

 

Ab­schie­de gibt es viele: Von Orten, von Men­schen, vom Sin­gle-Da­sein…Das schafft nicht jeder für sich al­lei­ne. Einer, der dabei in vie­len Le­bens­la­gen hilft, ist Klaus Ah­lert. Als frei­er Theo­lo­ge und fort­ge­bil­de­ter Psy­cho­the­ra­peut be­glei­tet er Men­schen weit über die Gren­zen Jü­lichs hin­aus.

 

Ei­gent­lich ist er schon Rent­ner, schmun­zelt der 66-Jäh­ri­ge, der sich aber der großen Nach­fra­ge nach sei­ner Un­ter­stüt­zung nicht ent­zieht. Ob­wohl er sagt: „Ich muss jetzt mal brem­sen“ nimmt er trotz­dem keine Aus­zeit vom All­tag. Ur­laub hat Klaus Ah­lert seit fünf Jah­ren nicht mehr ge­macht. Zu lei­den scheint er daran kaum.  Wor­ka­ho­lik? Vi­el­leicht eher Lei­den­schaft, denn ganz ent­spannt und bei sich scheint der Mann zu sein, der da in der ers­ten Etage in sei­ner Pra­xis an der Ge­re­on­stra­ße im Stuhl ge­gen­über sitzt.

 

Al­lei­ne im ver­gan­ge­nen Monat be­glei­te­te er 17 Be­er­di­gun­gen und sechs Trau­un­gen, im Jahr kommt er – hoch­ge­rech­net – auf 150 Trau­er­fäl­le und 60 Paare, die er auf den Weg in die Zwei­sam­keit bringt. „Ich bin“, sagt der Ka­tho­lik mit ei­ni­gem Au­gen­zwin­kern, „ein biss­chen eine ei­ge­ne Kir­che.“ Da kommt der Wahl-Jü­li­cher näm­lich ei­gent­lich her.

 

IMG_0111_bea_webIm wei­tes­ten Sinne ist Klaus Ah­lert ein Kind der Her­zog­stadt: Denn ge­bo­ren ist er in Düs­sel­dorf, der spä­te­ren Re­si­denz­stadt Wil­helm V., des Rei­chen. Früh war der Weg schein­bar vor­ge­prägt: In Müns­ter hat er in einem or­dens­ge­tra­ge­nen In­ter­nat sein Abi­tur ge­macht, ohne dem Vor­ha­ben der Brü­der, ihn zum Kle­ri­ker zu ma­chen, nach­zu­ge­ben. Lange Zeit soll­te er nun ein Su­chen­der sein, ein Mensch, für den viele klei­ne Ab­schie­de den Le­bens­weg pflas­ter­ten. Zu­nächst ging es nach Aa­chen an die Rhei­nisch-West­fä­li­sche Tech­ni­sche Hoch­schu­le zum Stu­di­um des Bau­we­sens. „Ich wäre fast Archi­tekt ge­wor­den“, er­zählt er schmun­zelnd. Den Ge­dan­ken ließ er aber auch hin­ter sich und sat­tel­te um auf „Ge­wer­be­lehr­amt“. Im Klar­text: Er un­ter­rich­te­te an einer Be­rufs­schu­le in Aa­chen. Keine Per­spek­ti­ve auf Dauer, wie sich zeig­te. In sei­ner Stu­den­ten­ver­bin­dung hatte er einen Korps­bru­der, der Theo­lo­gie stu­dier­te. Hier glaub­te Klaus Ah­lert seine Be­ru­fung ge­fun­den zu haben: Stu­di­um, Pries­ter­se­mi­nar und schließ­lich die Weihe 1988 waren die Kon­se­quenz. So kam er nach Jü­lich an die da­ma­li­ge Props­teipfar­re.

 

Drei Jahre lang waren Kan­zel und Ge­mein­de sein Zu­hau­se. Der Liebe wegen nahm er schließ­lich doch sei­nen Ab­schied vom Zö­li­bat – er wurde Ehe­mann und Vater. Ein wich­ti­ger Ein­schnitt, der nicht ohne Bles­su­ren von­stat­ten ging. In­zwi­schen hat er sich mit sei­ner Kir­che aus­ge­söhnt. Schließ­lich liebt er, was er heute tut, ver­steht sich nach wie vor als Seel­sor­ger. Denn der Theo­lo­ge, der gern von Le­bens­fei­ern spricht, die er mit Men­schen be­geht, weiß genau, dass es in der „Bran­che“ immer auch um den Ver­dienst geht: „Auf dem Trau­ungs­sek­tor gibt es viel Geld zu ver­die­nen“, sagt er mit Hin­weis auf den etwas zwei­fel­haf­ten Markt, in dem er sich nicht in Kon­kur­renz stellt.

 

Muss er auch nicht. Schließ­lich ist Klaus Ah­lert ein ge­frag­ter Mann: Ob für die wich­ti­gen Er­eig­nis­se im Leben  oder auf dem Po­di­um zum Thema Ab­schied, wie kürz­lich in der Eifel. Mit Ver­tre­tern der Kir­che und Be­stat­tern ging es um For­men und Ze­re­mo­ni­en des Ab­schieds. Er­kennt­nis: In­di­vi­dua­li­tät ist das, was die Men­schen heute su­chen. Statt der Trau­er die Erin­ne­rung in den Mit­tel­punkt zu stel­len, das ist der An­satz von Ah­lert. Dann kann eine Ge­denk­fei­er auch mal in der Lieb­lings­knei­pe be­gan­gen wer­den, auch wenn der Trau­er­be­glei­ter dies als seine wohl „ab­stru­ses­te, aber trotz­dem ge­sit­te­te“ Be­er­di­gung be­schreibt.

 

Per­sön­lich ist sein nach­hal­tigs­ter Ab­schied der von sei­nen El­tern. „Ich merke bei jeder Trau­er­fei­er, dass ich noch tiefe Wun­den habe, die ich gerne weg­drücke. Wie man es so gerne rhei­nisch sagt: ,Tschö’“. Klaus Ah­lert hebt die Hand – gleich­zei­tig Gruß und „Ab­stand­hal­ter“–, lä­chelt und sagt: „Das ma­chen ex­trem viele Leute so.“

tee