mindestens 3 Buchstaben!
HERZOG - Kunst&Design -

Alles Klar, Herr Kommissar?

Film­riss und Le­gen­den­bil­dung 

 

Die Schub­la­de fällt her­aus. Auf dem Fuß­bo­den ein ro­sa­far­be­nes Band, eine Feder vom Ei­chel­hä­her, aus­län­di­sche Mün­zen, eine Abriss­kar­te usw. Die Knopf­kis­te des Ge­we­se­nen, im Vor­über­ge­hen ge­lebt, ge­sam­melt, ab­ge­legt und ver­ges­sen.  Wenn dann mal die Schub­la­de her­aus­fällt und sich das über den Boden ver­teilt, ver­sucht man das wie­der zu einem Bild zu fügen und sich zu er­in­nern. „Es war ein­mal…“, so fan­gen alle Mär­chen an.

mehr…

HERZOG - Kunst&Design -

Der große Apfel

IMG_2308Der Mensch kommt aus dem Juli

 

 

Du zi­geu­nerst hier wie­der rum, als wenn das Leben Som­mer wäre, pfleg­te meine Tante Ger­trud das kind­li­che He­rum­bum­meln zu kom­men­tie­ren und pflanz­te damit mei­nem Gemüt den Wi­der­streit zwi­schen Hell und Dun­kel ein, zwi­schen Ge­schenk und Ver­dienst, Glück und Leis­tung und ein ers­tes, ers­tes Ahnen von die­sen bis­lang bei allen phi­lo­so­phi­schen Schu­len un­ge­klär­ten Fra­gen. Glück ist keine Leis­tung, eher das Ge­gen­teil, etwas Ge­schenk­tes. Vi­el­leicht auch ein Ta­lent, eine Be­ga­bung, die dann ver­lo­ren geht. Kin­der haben sie für ge­wöhn­lich, eine Wiese, ein Bach, ein Tier  –  Glück. So hat auch schon die Kind­heit un­se­rer Gat­tung an den Wen­de­krei­sen ge­stan­den, auf den Brei­ten des ewi­gen Julis. mehr…

HERZOG - Kunst&Design -

Weibsbilder

Web_kk_chic

 

Fräu­lein Schick und der Boden unter den Füßen

 

Schick, diese end­lo­sen Beine auf dem Bar­ho­cker unter dem schrä­gem Zy­lin­der, schick, der Pla­tin- Wu­schel­kopf im Frot­tee-Mor­gen­man­tel, die ge­zu­cker­ten Kuss­münd­chen wer­fend, schick die über mit Rei­fen be­häng­ten Arme im ro­sa­far­be­nen Bus­tier, am Heiß­luft­ge­blä­se der öf­fent­li­chen Du­sche die ra­sier­ten Ach­sel­höh­len trock­nend. Schick mit einer Prise Vul­gä­rem. Mar­le­ne, Ma­ry­lin, Ma­don­na, Sta­tio­nen einer Reise von nicht ein­mal hun­dert Jah­ren. Das erste Bild ist eine Ikone, der blaue Engel, auch Ma­ry­lin kennt man, das letz­te Bild ist schon eher etwas für Spe­zia­lis­ten und eben keine Ma­don­na. Sie nennt sich nur so. mehr…

HERZOG - Kunst&Design -

Seltsame Vögel

Wat den Eenen sin Uhl, is dem An­nern sin Nach­ti­gall

 

KunstDesign_23042015_02

Der Mai ist ge­kom­men, alle Vögel sind schon da, komm´ lie­ber Mai und mache, nicht nur die Vögel sin­gen. Auch uns Men­schen läuft das Herz über es den Vö­geln gleich­zu­tun, zu bal­zen und ein Nest zu bauen oder wie Ei­chen­dorffs „Tau­ge­nichts“ ins Blaue re­spek­ti­ve Grüne auf­zu­bre­chen. Frau Kuckuck legt ihr Ei gleich in frem­de Nes­ter, Paar­bin­dung un­be­kannt, diese Vögel schät­zen die Pro­mis­kui­tät und ich frage mich ernst­haft, ob die Kuckucks­uhr als Le­gi­ti­ma­ti­on sol­cher Exis­ten­zen wohl aus­reicht? Es gibt schon selt­sa­me Vögel. mehr…

HERZOG - Kunst&Design -

Ein Tsunami im Museum

KunstDesign_40_23032015

oder der Bart­wuchs der Mona Lisa

 

Die Mo­der­ne in der bil­den­den Kunst be­ginnt mit einem Scherz, für man­che ein schlech­ter: Mar­cel Duchamp nimmt ein por­zel­la­nes Pin­kel­be­cken, si­gniert es links unten mit ex­pres­siv trop­fen­der Farbe und dem Pseud­onym „R. Mutt, 1917“ und setzt es als Skulp­tur auf einen So­ckel. „Fon­tä­ne“ nennt er es und drückt dem da­ma­li­gen Kunst­ver­ständ­nis damit sämt­li­che Knöp­fe. mehr…

HERZOG - Kunst&Design -

Die Kunst vom Abspecken

KunstDesign_39_23022015
Leber ge­schwol­len,

Galle ver­steint – man rät zur Diät

 

Kar­ne­val ist vor­über, carne vale, lebe wohl, Fleisch, Mus­kel­grup­pen strafft euch, Kör­per­län­gen reckt euch, Fett­pols­ter adieu. Fas­ten­zeit. Vor­bei das süße Leben. Darf ich im Kar­ne­val auch als Pum­mel­chen süß sein, als Ta­schen­for­mat Obe­lix bei glei­cher Brei­ten­wir­kung auf hal­ber Höhe oder als flau­schi­ge, schwarz-gelb ge­tupf­te Hum­mel mit kur­z­en Flü­geln und lan­gen Wim­pern, aus der Spaß, jetzt wird es wie­der ernst. Das Re­gi­ment des Body-Maß-Index be­ginnt.

For­men hat es ja immer ge­ge­ben, z.B. die des An­stands. Wir 68er hat­ten sie gegen die des Auf­stands ge­tauscht und das heu­ti­ge in Form sein ist so etwas wie die Form als In­halt. De­sign oder nicht sein… mahn­ten uns frü­her Kru­zi­fi­xe daran, die Seele in Form zu hal­ten, so sind es heute pik­to­gra­fi­sche Tur­ner und Jog­ger, die auf An­hö­hen, Kreuz­we­gen und unter Lin­den das in Form sein for­dern. Frü­her half einem beim Ab­spe­cken we­nigs­tens das Rau­chen, aber das darf man ja auch nicht mehr. Par­al­lel zur Form als In­halt ist die mög­lichst größ­te Menge davon das zwei­te Kri­te­ri­um. Wo man die Form mit der mög­lichst größ­ten Menge mul­ti­pli­ziert, um den Ideal­zu­stand zu er­rei­chen, da wird die Größe an sich zum zwei­ten Pa­ra­me­ter. mehr…

HERZOG - Kunst&Design -

Dann doch lieber süß

KunstDesign_38_23012015Das Bit­te­re und die Ro­sen­mon­tags­ver­liebt­heit

 

Unser al­ler­ers­tes Schme­cken ist das Süße. Die Re­zep­to­ren dafür sit­zen ganz weit vorne auf der Zun­gen­spit­ze. Wir wagen uns damit, ein klein wenig nu­ckelnd, in die Welt hin­aus – le­cker, süß, Lust. Das süße Leben. Das Ge­hirn ver­linkt die In­for­ma­ti­on, kop­pelt sie zu­rück und gleich stre­cken wir die Zunge ein wenig wei­ter her­aus. Ran an das Süße, mehr Lust, mehr C12H22O11. Der Zu­cker nimmt uns die Mo­le­kül­ket­te, er schleift uns daran ins Leben und wir rei­ßen den Schna­bel auf. mehr…