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Ar­beits­kreis Jü­li­cher Biblio­thek: Kommt das Beste noch?

 

Der Ar­beits­kreis Jü­li­cher Biblio­thek ist ein Zu­sam­menschluss ver­schie­de­ner Biblio­the­ken aus Jü­lich. In jedem Jahr führt der Ar­beits­kreis eine Ver­an­stal­tung durch – in die­sem Jahr zum Thema „Zu­kunft“. Der Ar­beits­kreis hat in die­sem Zu­sam­men­hang einen Kurz­ge­schich­ten­wett­be­werb aus­ge­schrie­ben. Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Jahr­gangs­stu­fen 5 bis 9 waren auf­ge­ru­fen, sich an­hand eines knapp vor­ge­ge­be­nen Sze­na­ri­os mit den The­men Zu­kunft und Schu­le zu be­schäf­ti­gen. Die drei Sie­ger­ge­schich­ten brin­gen wir hier zum Ab­druck.

  Guido von Büren

Char­lot­te Ober­hoff, Mäd­chen­gym­na­si­um Jü­lich, Jahr­gang­stu­fe 9

 

Ver­än­de­rung

 

Jü­lich: Mitt­woch, der 6.5.2048… Etwas klin­gelt und ich öffne lang­sam die Augen. Mit einer Hand taste ich nach mei­nem We­cker und schal­te ihn aus. Nach einem Ab­ste­cher ins Ba­de­zim­mer und einem aus­gie­bi­gen Früh­stück kann der Tag be­gin­nen.

Auf dem Stun­den­plan ste­hen heute Deutsch, Mathe und Ge­schich­te. Dann Po­li­tik und eine Dop­pel­stun­de Mi­kro­tech­nik. Ich nehme meine Ta­sche und gehe los. Der Gurt drückt schwer auf mei­ner Schul­ter, als ich meine beste Freun­din tref­fe. Ty­pisch. Ihre weiße Schu­l­uni­form sitzt per­fekt. Zu­sam­men schrei­ten wir durch die Stra­ßen. Re­dend. La­chend. Bald pas­sie­ren wir das Schul­tor. Nun lacht nie­mand mehr. Stil­le. Wir be­tre­ten den Klas­sen­raum und be­ge­ben uns auf un­se­re Plät­ze.

 

Seit einem Jahr haben wir uns nicht mehr um­ge­setzt. Die erste Stun­de ver­geht. Pro­blem­los. Fron­tal­un­ter­richt. Ich habe ge­hört, dass frü­her die Klas­se mit in die Stun­de ein­ge­bun­den wurde. Es muss an­ders ge­we­sen sein. Auf­re­gen­der. Nor­ma­ler­wei­se zähle ich in der Schu­le die Mi­nu­ten. Der Klin­gel­ton be­en­det den Deutsch­un­ter­richt. In der zwei­ten be­gin­nen wir ein neues Thema, das nicht ein­fach ist. Das glä­ser­ne Ta­blet unter mei­nen Fin­gern läuft warm, als unter den flie­ßen­den Be­we­gun­gen mei­ner Hände kom­pli­zier­te For­meln auf dem Bild­schirm er­schei­nen. Ich bin mir nicht si­cher, ob meine Rech­nung rich­tig ist, doch ich kann nie­man­den fra­gen. Schwei­gen. Wer redet, wird be­straft. Die Haus­ord­nung ab­schrei­ben. Hand­schrift­lich. Kaum je­mand be­herrscht das Schrei­ben auf Pa­pier mit einem rich­ti­gen Fül­ler noch. Sech­zig Mi­nu­ten Mathe sind ge­schafft. Ge­schich­te. Der Leh­rer redet, doch ich kann nicht fol­gen. Meine Ge­dan­ken schwei­fen beim Blick auf das Schau­bild des Wie­ner Kon­gres­ses ab. Ein wich­ti­ger An­lass in der Ge­schich­te der Erde. Seit­dem hat sich viel ver­än­dert. Wohin? Zum Guten? Zum Schlech­ten? Die Zeit wird es zei­gen. Wie mögen die Leute in drei­hun­dert Jah­ren von uns den­ken? Von einer Ge­sell­schaft, in der alle gleich sind? Nie­mand her­aus­sticht? Der Gong un­ter­bricht meine Über­le­gun­gen. Pause. Es sind genau zwan­zig Mi­nu­ten, bis wir wie­der in der Klas­se sein müs­sen. Wir. Nicht mehr ich, son­dern alle.

 

„Wir“, das ist eine ge­sichts­lo­se Masse aus Hu­ma­noi­den mit einer fest­ge­leg­ten Be­stim­mung. In der nächs­ten Stun­de er­klärt man uns, dass es zu un­se­rem Bes­ten ist, eine ge­si­cher­te Zu­kunft zu haben. Dass die Welt nur so funk­tio­niert. Damit wir fried­lich zu­sam­men leben kön­nen. Alle. Egal, woher wir kom­men. Wohin wir gehen.

 

Die erste Stun­de Mi­kro­tech­nik be­ginnt. Kaum habe ich den Raum be­tre­ten, schlägt mir Strah­lung ent­ge­gen. Schmerz. Er kriecht mein Rück­grat her­un­ter. Das Im­plan­tat in mei­nem Na­cken ist zer­sprun­gen. Nicht zum ers­ten Mal. Immer wie­der. Es kon­trol­liert meine Ak­tio­nen, nie­mand soll aus der Reihe fal­len. Jeder hat eines. Ich ver­lie­re die Kon­trol­le und kippe um, die Zer­stö­rung des Mi­kro­chips hat mei­nen Kör­per in einen Stand­by-Modus ver­setzt. Schwär­ze. Sie kriecht über mein Sicht­feld, scheint Sub­stanz zu ge­win­nen und meine Sinne schwin­den zu las­sen.

 

Bald dar­auf wache ich im Kran­ken­haus wie­der auf. Be­nom­men. Mit einem neuen Im­plan­tat. Das braucht mir nie­mand zu sagen. Ich will reden, doch ich darf nicht. Die Frau an der Seite der Liege ver­bie­tet es mir. Aber genau das ist es. Sprich nicht, es könn­te falsch sein. Mach den Mund nicht auf, es könn­te je­man­dem nicht ge­fal­len. Doch man wird mich nicht zum Schwei­gen brin­gen. Ich bin hier auf­ge­wach­sen, in die­ser mo­no­to­nen Welt. Jahre habe ich damit ver­bracht, in den wei­ßen und grau­en Fassa­den der Häu­ser Farbe zu su­chen. In die­ser Um­ge­bung bin ich ge­bo­ren. Meine El­tern kamen auf die Erde, weil sie dach­ten, es sei si­che­rer für mich. Doch wo­ge­gen haben sie meine Si­cher­heit ge­tauscht? Lan­ge­wei­le. Gleich­heit. Ich will wei­ter fort. Den tie­fen Raum sehen, frem­de Ster­ne, pla­ne­ta­re Nebel, die Ge­heim­nis­se des Wel­talls ent­de­cken. Und mei­nen Hei­mat­pla­ne­ten. Ir­gend­wann will ich das alles sehen. Was habe ich denn noch zu ver­lie­ren?

  Char­lot­te Ober­hoff

Luisa Ol­di­ges, Gym­na­si­um Haus Over­bach, Jahr­gangs­stu­fe 6

 

Fu­ture

 

Jü­lich: Mitt­woch, der 6.5.2048… Etwas klin­gelt und ich öffne lang­sam die Augen. Mit einer Hand taste ich nach mei­nem We­cker und schal­te ihn aus. Nach einem Ab­ste­cher ins Ba­de­zim­mer und einem aus­gie­bi­gen Früh­stück kann der Tag be­gin­nen. Auf dem Stun­den­plan ste­hen heute Deutsch, Mathe und Eis­lau­fen. In der Schu­le be­grüßt meine Deutsch­leh­re­rin uns und sagt: „Ruhe bitte und das nicht nur jetzt, son­dern 70 Mi­nu­ten lang!“ Sie grinst ver­schmitzt.

 

Nach der Deutsch­stun­de haben wir Mathe bei Frau Mül­ler. Als sie uns er­klärt, dass wir jetzt in der 5. Klas­se ein­mal in der Woche ein So­zi­al­pro­jekt ma­chen, sind meine beste Freun­din Alis­sa und ich völ­lig mit der neuen Zeit­schrift „Ti­ger­girl“ be­schäf­tigt und han­deln uns dafür ein biss­chen Auf­se­hen ein. „Isa­bel, ihr könnt uns doch si­cher er­zäh­len, wel­ches Pro­jekt wir als ers­tes ma­chen wer­den, oder?!“ fragt Frau Mül­ler. Alis­sa, die mit einem Ohr zu­ge­hört hatte mein­te: „Als ers­tes wer­den wir ein So­zi­al­prak­ti­kum in einer Wohn­an­la­ge für Per­so­nen mit einer Be­hin­de­rung ma­chen.“ Die Leh­re­rin schaut etwas ver­dutzt, macht aber dann wei­ter mit dem Un­ter­richt. Beim Eis­lau­fen sehen Alis­sa und ich Mi­riam und Char­lot­te aus un­se­rer Par­al­lel­klas­se. Die bei­den mei­nen, dass es die Kli­mae­r­wär­mung gar nicht geben würde und dass Kri­tik an ihnen eine schreck­li­che Be­lei­dung sei. Au­ßer­dem sind die bei­den sehr zi­ckig.

 

Aber das hält Alis­sa und mich nicht vom Eis­lau­fen ab. Was uns bei­den sehr viel Spaß macht. Um nach der Schu­le nach Hause zu kom­men, stei­ge ich in ein Ra­do­ro ein. Das ist ein bus­ar­ti­ges Fahr­zeug, bei dem Pe­da­le, wie bei einem Fahr­rad, vor­han­den sind. Wenn dann alle gleich­zei­tig in die Pe­da­le tre­ten, nimmt das Ra­do­ro rich­tig Fahrt auf. Die­ses Fahr­zeug ist um­welt­scho­nend und auch sehr be­quem. Zu Hause be­grü­ße ich mei­nen Vater. Er ist Wis­sen­schaft­ler und forscht an einer Metho­de, wie man unter der Erde Strom lei­ten kann: „Hey Papa, hast du heute die Ener­gie­welt mal wie­der vor­an­ge­bracht?“ „Ha­ha­ha, du ver­al­berst mal wie­der mei­nen Job.“ Mit einem Lä­cheln auf dem Ge­sicht geht er wie­der in die Küche. „Was gibt es denn heute le­cke­res zu essen?“, frage ich neu­gie­rig. Papa ant­wor­tet: „Lachs mit Boh­nen und Kar­tof­feln, alles Bio!“. „Oh, super“, schwär­me ich. Nach dem Mit­ta­ges­sen mache ich meine Haus­auf­ga­ben in einem Video-Chat, so dass ich mich wäh­rend­des­sen mit an­de­ren Schü­lern über die Haus­auf­ga­ben aus­tau­schen kann. Das ist meis­tens sehr hilf­reich. Plötz­lich klin­gelt es an der Tür, ich mache auf und sehe Noah. Er fragt: „Hast du Lust ein biss­chen mit  mir jog­gen zu gehen?“ – ,,Ja, sehr gerne“, ant­wor­te ich.

 

Kurze Zeit spä­ter bin ich um­ge­zo­gen und be­reit los­zu­lau­fen. Un­se­re Stre­cke ist wun­der­schön, sie führt an einem klei­nen na­tür­li­chen Bach und einer großen Raps­wie­se vor­bei. Wenn man ein­fach läuft und nur das leise Plät­schern des Was­sers hört, fühlt man sich, als ob man flie­gen würde. Es ist sehr be­frei­end. Wie­der zu Hause gehe ich kalt du­schen, was nicht nur daran liegt, dass das um­welt­scho­nen­der ist, son­dern auch, weil ich schweiß­ge­ba­det bin. Nach einem kur­z­en Abends­nack ver­brin­ge ich noch ein biss­chen Zeit mit mei­ner Fa­mi­lie. Wir spie­len häu­fig Kar­ten, aber heute spie­len wir Stadt – Land – Fluss. Das macht sehr viel Spaß. Da­nach ziehe ich mir mei­nen Schlaf­an­zug an und lege mich ins Bett. Meine Mut­ter kommt und sagt: „Gute Nacht, meine klei­ne Zau­ber­maus!“ Zärt­lich drückt sie mir einen Kuss auf die Stirn und geht dann. „Die­ser Tag war su­per­schön“, denke ich. Mit vie­len tol­len Erin­ne­run­gen schla­fe ich nun zu­frie­den und glück­lich ein.

  Luisa Ol­di­ges

Alice Prik­ho­dovs­kaia, Gym­na­si­um Haus Over­bach, Jahr­gangs­stu­fe 6

 

Ein Tag in der Zu­kunft

 

Jü­lich: Mitt­woch, der 6.5.2048… Etwas klin­gelt und ich öffne lang­sam die Augen. Mit einer Hand taste ich nach mei­nem We­cker und schal­te ihn aus. Nach einem Ab­ste­cher ins Ba­de­zim­mer und einem aus­gie­bi­gen Früh­stück kann der Tag be­gin­nen. Auf dem Stun­den­plan ste­hen heute Deutsch, Mathe und Frem­de Wesen. Ich gehe aus dem Haus, das am Ende einer schö­nen Stra­ße steht und sehe vor mir mein Haus­tier Sil­ver. Sil­ver ist ein rot-wei­ßer Kits­une, ein Fuchs mit höchs­tens neun Schwän­zen. „T­schüss Sil­ver“, sage ich und ver­ab­schie­de mich.

 

Auf dem Weg zur Flug­hal­te­stel­le sehe ich viele Häu­ser, die alle ver­schie­de­ne For­men haben, je­doch trotz­dem ir­gend­wie gleich aus­se­hen: alle weiß und saf­ti­ges, grü­nes Gras drum herum. Als ich an­ge­kom­men bin, warte ich nicht lange und schon ist der flie­gen­de Bus da. Ich mag un­se­ren Schul­bus, meine Freun­de und ich nen­nen ihn immer „F­lie­ger“. Seine fla­che Form hilft ihm, ge­räusch­los durch die Luft zu glei­ten. Da die Sonne von sei­ner titan-sil­ber­nen Ober­flä­che re­flek­tiert wird, sieht man ihn schon vom Wei­ten. Durch die Glas­kup­pel, die als Wände und als Decke dient, kann man weit nach drau­ßen schau­en und die Fahrt ge­nie­ßen. Ich setz­te mich wie immer in die drit­te Reihe links, da man von dort aus das um diese Zeit lau­fen­de Ho­ver­board­fahr­er­trai­ning, das unten am Sta­di­on statt­fin­det, wun­der­voll be­ob­ach­ten kann.

 

Meine Freun­din er­war­tet mich schon: „Hey, Lenja!“ „Hey, Lena!“, rufe ich er­freut zu­rück. „Hast du schon die Haus­auf­ga­ben ge­macht?“, fragt sie mich neu­gie­rig. „Ich mach sie jetzt“, ant­wor­te­te ich und holte mein Handy raus. Ich klick­te auf den Haus­auf­ga­ben-But­ton und schon scannt mein Handy mein Ge­hirn und mach­te die Auf­ga­ben mit Hilfe mei­nes ge­spei­cher­ten Wis­sens. Kurze Zeit spä­ter fragt mich Lena ver­wun­dert: „Geht das immer so schnell bei dir? Bei mir dau­ert das immer min­des­tens zehn Mi­nu­ten.“ Ich ant­wor­te­te nicht und nach einer Weile sind wir in der Schu­le an­ge­kom­men. Wir stei­gen aus und blei­ben ein paar Mi­nu­ten ste­hen und reden ein wenig mit­ein­an­der. Dann gehen wir in unser Klas­sen­zim­mer, wo auch schon alle auf uns war­ten. „Nicht schon wie­der zu spät“, flüs­te­re ich Lena zu. „Setzt euch“, sagt der Lehro­bott emo­ti­ons­los zu uns und schon sit­zen wir auf un­se­ren Plät­zen.

 

Nach etwa 30 Mi­nu­ten schellt es zur nächs­ten Stun­de: Mathe. Lena flüs­tert mir zu: „Freust du dich auch schon voll auf Ro­bo008?“ „Gen­au­so sehr wie du“, ant­wor­te ich mit Iro­nie in der Stim­me. Doch Ro­bo008 kommt nicht, statt­des­sen kommt ein an­de­rer Lehro­bott, den wir bis jetzt noch nicht ken­nen. Der neue Lehro­bott sieht ein biss­chen an­ders aus. Sein Kopf ist etwas grö­ßer und runder, sein Kör­per ist schwarz und nicht mehr blau. „Ich bin Ro­bo0098“, stellt er sich vor. „Lei­der ist Ro­bo008 ka­putt­ge­gan­gen, wes­halb ich euer neuer Mathe-Lehro­bott bin. Meine Lehr­me­tho­de ist ganz sim­pel und ein­fach: Ihr be­kommt alle sol­che Helme“, er zeigt auf ir­gend ein ko­mi­sches, run­des Ding, „die ihr ein­fach nur auf­set­zen müsst.“ Er be­fiehlt zwei Schü­lern, die Helme aus­zu­tei­len. Ro­bo0098 geht durch die Klas­se und sieht sich an, wie die Schü­ler sich diese Helme auf­set­zen. Ich ziehe den Helm an und plötz­lich wird mir schwin­de­lig und schwarz vor Augen, an­schei­nend werde ich ohn­mäch­tig. Ich wache wie­der auf und be­fin­de mich immer noch im Klas­sen­zim­mer.

 

Als ich mich um­se­he, be­mer­ke ich, dass ich nicht die Ein­zi­ge bin, die ohn­mäch­tig war. Ein Schü­ler fragt den Lehro­bott warum wir ohn­mäch­tig waren, der Lehro­bott ant­wor­tet: „Ihr wart nicht ohn­mäch­tig, ihr habt nur im Schlaf ge­lernt. Wenn ich euch jetzt frage, was 1289 mal 2354 ist, dann könnt ihr mir das so­fort alle be­ant­wor­ten.“ Ich hebe die Hand und frage mit der Hoff­nung, dass wir es nicht jeden Tag ma­chen müs­sen: „Wer­den Sie diese Metho­de jedes Mal ver­wen­den?“ Wie ich es be­fürch­tet habe, ant­wor­tet der Lehro­bott: „Na­tür­lich, was denn sonst?“. Und schon schellt es wie­der. Jetzt haben wir end­lich ein Fach, das ich mag: Frem­de Wesen. Wir gehen zu­sam­men zur Flug­hal­te­stel­le, denn dort er­war­tet uns schon der Flie­ger und wir flie­gen zum Klas­sen­zim­mer. Im Klas­sen­zim­mer er­war­tet uns schon un­se­re Lehro­bo­tin mit einem frem­den Wesen, das wir alle noch nicht ken­nen. „Lie­be Schü­ler, heute stel­le ich euch ein neues Wesen vor: den Panda. Die Panda sind eine sehr alte Rasse, die schon vom Aus­ster­ben be­droht ist.“ In die­ser Stun­de haben wir alles über Panda er­fah­ren: Wo sie leben, was sie fres­sen, wie sie aus­se­hen und ihre Ei­gen­schaf­ten. Nach dem Un­ter­richt, der sich für mich wie eine Mi­nu­te an­ge­fühlt hat, schellt es. „Schu­le aus!!!“, rufen alle froh. „Dies­mal haben wir zum ers­ten Mal in mei­nem Leben keine Haus­auf­ga­ben auf’“, meint Lena zu mir und wir müs­sen beide la­chen. Als wir wie­der an der Flug­hal­te­stel­le sind, muss ich lei­der aus­stei­gen und un­se­re Wege tren­nen sich.

 

Ich gehe nach Hause und wie­der an den in­ter­essan­ten Häu­sern vor­bei. Als ich zu Hause an­kom­me, be­grüßt mich Sil­ver er­freut und ich grüße sie zu­rück, indem ich sie strei­che­le. „Ich bin wie­der da!“, rufe ich in die Küche, wo meine Mut­ter ge­ra­de Essen kocht. Sie fragt mich nicht ge­ra­de sehr in­ter­es­siert: „Na, wie war denn heute die Schu­le?“ „Wie immer“, ant­wor­te ich ein­fach und ver­ges­se, das mit dem neuen Lehro­bott zu er­wäh­nen.

 

Ich gehe in mein Zim­mer auf der zwei­ten Etage und hole mein blau-rosa Ho­ver­board. Dann gehe ich nach drau­ßen und klin­ge­le an der Tür des Nach­bar­hau­ses. Tante Emma öff­net mir die Tür und sagt: „Hal­lo Lenja. Wie ich sehe, bist du da, um Marco ab­zu­ho­len. Dann warte bitte kurz.“ Sie schließt die Tür wie­der und nach kur­z­er Zeit kommt Marco mit sei­nem Ho­ver­board raus. „Wo sol­len wir heute üben?“, fragt er mich. „Kei­ne Ah­nung“, ant­wor­te ich. „Vi­el­leicht am Bu­chen­weg?“ „Ok“, meint er nur.

 

„Wa­rum geht das Trai­ning nur immer so schnell vor­bei?“ frage ich mich auf dem Weg nach Hause. Als ich an­ge­kom­men bin, spie­le ich noch ein biss­chen mit Sil­ver und schon ist Schla­fens­zeit. Nach dem Zäh­ne­put­zen und Um­zie­hen lege ich mich ins Bett und nehme mir Sil­ver als Ku­schel­tier. „Mor­gen ist auch schon der nächs­te Tag“, sind meine letz­ten Worte und schon bin ich ein­ge­schla­fen.

  Alice Prik­ho­dovs­kaia