und der zu­ge­fro­re­nen Rur An­fang 1929

Geschichten_25_23122013

Nach­dem wir in den letz­ten Jah­ren etwas käl­te­re Win­ter mit reich­lich Schnee er­lebt haben, lohnt sich viel­leicht der Blick in ver­gan­ge­ne Zei­ten, als die fros­ti­gen Tem­pe­ra­tu­ren mit­un­ter noch hef­ti­ger aus­fie­len. So blieb der Win­ter 1928/29 mit viel Schnee und Dau­er­frost in ganz Eu­ro­pa in Erin­ne­rung. Da­mals ge­sch­ah etwas, das sehr sel­ten und heute so gut wie gar nicht mehr vor­kommt: Die Flüs­se fro­ren zu. 

Auch die an Jü­lich vor­bei­flie­ßen­de Rur er­starr­te im Fe­bru­ar 1929 bei Mi­nu­stem­pe­ra­tu­ren von bis zu 20°C. So sprach auch das Jü­li­cher Kreis­blatt vom 11. Fe­bru­ar 1929 von „Si­bi­ri­scher Kälte über­all“. Die Rur war hin­ter der Jü­li­cher Rur­brücke fluss­ab­wärts auf Broich zu voll­stän­dig zu­ge­fro­ren. Der Bier­ver­le­ger Krie­ger baute sogar Eis in einer Stär­ke von 14 bis 16 cm ab. Am Sonn­tag, 17. Fe­bru­ar 1929, nutz­ten Hun­der­te die zu­ge­fro­re­ne Rur zu einem Spa­zier­gang. Vor allem Kin­der und Ju­gend­li­che leg­ten lange Eis­bah­nen auf dem Ru­reis an. Dies ge­sch­ah ganz im Sinne der Er­wach­se­nen, wie eine Notiz von An­fang 1929 be­legt. Im Jü­li­cher Kreis­blatt vom 5. Ja­nu­ar 1929 liest man näm­lich: „Der gest­ri­ge Schnee­fall be­rei­tet na­tur­ge­mäß der Ju­gend sehr viel Freu­de. Lei­der wird aber von den Kin­dern zu wenig be­ach­tet, dass sie das Leben ihrer Mit­menschen durch die An­la­ge von Schleif­bah­nen auf den Stra­ßen in große Ge­fahr brin­gen. Bei dem letz­ten Frost­wet­ter in der Vor­wo­che sind meh­re­re Un­glücks­fäl­le durch sol­che Schleif­bah­nen, die von den Er­wach­se­nen nicht be­merkt wor­den waren, ein­ge­tre­ten. Alle El­tern und Er­zie­her wer­den drin­gend ge­be­ten, dass die Ju­gend ihrem Win­ter­ver­gnü­gen nicht auf den Fahr­bah­nen und Bür­ger­stei­gen nach­ge­hen.“ Gut, dass zeit­wei­lig die Rur zu­ge­fro­ren war und eine ent­spre­chen­de Aus­weich­mög­lich­keit für ent­spre­chen­de Win­ter­ver­gnü­gun­gen bot.

Die Kälte setz­te vor allem den Kar­ne­va­lis­ten zu:

Der La­za­rus Stroh­ma­nus fand sein feuch­tes Grab nicht in der Rur, da diese zu­ge­fro­ren war.

Am 23. Fe­bru­ar 1929 at­me­te dann das Jü­li­cher Kreis­blatt auf: „Des Win­ters Macht ge­bro­chen!“ – die Tem­pe­ra­tu­ren waren auf über 0°C ge­stie­gen. In­fol­ge­des­sen brach die Eis­de­cke der Rur und große Ei­schol­len trie­ben fluss­ab­wärts. Der Win­ter soll­te aber noch ein­mal am Mo­nats­en­de zu­rück­kom­men – die Rur fror aber nicht wie­der zu. Das ge­sch­ah dann noch ein­mal im Ja­nu­ar 1933.

 

Guido von Büren