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Der Streit um das Erbe Her­zog Wil­helms V.

 

Der Nachruhm Her­zog Wil­helms V. von Jü­lich-Kleve-Berg be­wegt sich in engen Bah­nen, wenn­gleich man ihm in spä­te­rer Zeit den Bein­amen „Der Rei­che“ gab. Das kann aber nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Herr­schaft des jü­lich-kle­vi­schen Her­zo­g­hau­ses be­reits mit sei­nem Sohn Jo­hann Wil­helm I. 1609 be­en­det war. Nun kam es zu kom­pli­zier­ten erbrecht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die als jü­lich-kle­vi­scher Erb­fol­ge­streit in die Ge­schich­te ein­gin­gen. Aus­lö­ser war das kai­ser­li­che Pri­vi­leg, dass auch die äl­tes­te Schwes­ter Jo­hann Wil­helms I. erb­be­rech­tigt war. Diese war Maria Eleo­no­re, die 1573 Her­zog Al­brecht von Preu­ßen ge­hei­ra­tet hatte. Da sie aber be­reits ein Jahr vor ihrem Bru­der ver­stor­ben war, war ihr Erbrecht auf ihre äl­tes­te Toch­ter Anna über­ge­gan­gen. Diese wie­der­um war seit 1594 mit Mark­graf bzw. Kur­fürst Jo­hann Si­gis­mund von Bran­den­burg ver­hei­ra­tet, der nun Er­ban­sprü­che auf die Ve­rei­nig­ten Her­zog­tü­mer erhob.

Das ließ nun die zwei­t­äl­tes­te Toch­ter Wil­helms V., Anna, nicht auf sich sit­zen, die 1574 den Her­zog von Pfalz-Neu­burg ge­hei­ra­tet hatte. Da sie im Ge­gen­satz zu ihrer äl­te­ren Schwes­ter Maria Eleo­no­re noch lebte, sah sie bei sich und ihrer Fa­mi­lie den hö­he­ren, zu­min­dest aber gleich­be­rech­tig­ten Er­ban­spruch. Im Namen Annas bzw. ihres Man­nes Phil­ipp Lud­wig von Pfalz-Neu­burg er­schi­en kurz nach dem Tod Jo­hann Wil­helms I. ihr Sohn
Wolf­gang Wil­helm am Nie­der­rhein. Zu­sam­men mit den kur­bran­den­bur­gi­schen Ab­ge­sand­ten nahm er die Ter­ri­to­ri­en Jü­lich, Kleve und Berg in Be­sitz.

Zuvor hatte man sich im Dort­mun­der Re­zess auf Ver­mitt­lung des Land­gra­fen von Hes­sen-Kas­sel auf ein vor­läu­fi­ges ge­mein­sa­mes Re­gi­ment ge­ei­nigt. Nun nann­ten sich der Kur­fürst von Bran­den­burg und der Her­zog von Pfalz-Neu­burg die pos­si­die­ren­den (be­sit­zen­den) Fürs­ten. Die Land­stän­de waren sich un­ei­nig, wie sie dem Herr­schafts­an­spruch der neuen Her­ren be­geg­nen soll­ten. Beide waren näm­lich Luthe­ra­ner, wäh­rend große Be­rei­che der Ter­ri­to­ri­en ka­tho­lisch ge­prägt waren und die evan­ge­li­schen Gläu­bi­gen über­wie­gend dem Cal­vi­nis­mus an­hin­gen. Erst als die Pos­si­die­ren­den Glau­bens­frei­heit ga­ran­tier­ten, hul­dig­ten ihnen die Stän­de.

Ge­fes­tigt war ihre Po­si­ti­on da­durch aber nicht, da es noch an­de­re Er­b­an­wär­ter gab und zudem der Kai­ser selbst in den Kon­flikt ein­griff. Er ver­trat die Po­si­ti­on, dass die Herr­schafts­ge­bie­te als Reichs­le­hen an ihn zu­rück­fal­len und er sie neu ver­ge­ben konn­te. Zu Kampf­hand­lun­gen kam es, da der Jü­li­cher Amt­mann Jo­hann von Reu­schen­berg im Namen des Kai­sers die Lan­des­fes­tung Jü­lich be­setz­te, die dann im Spät­som­mer 1610 von den Pos­si­die­ren­den, un­ter­stützt von eng­li­schen, fran­zö­si­schen und nie­der­län­di­schen Trup­pen, in einer spek­ta­ku­lä­ren Be­la­ge­rung ein­ge­nom­men wurde.

Erst 1614 ei­nig­ten sich die Pos­si­die­ren­den dar­auf, die Herr­schaft über die Ve­rei­nig­ten Her­zog­tü­mer zu tei­len: Die Ter­ri­to­ri­en Jü­lich-Berg fie­len an den Her­zog von Pfalz-Neu­burg, der seine Re­si­denz nun nach Düs­sel­dorf ver­leg­te, wäh­rend die Ter­ri­to­ri­en Kleve-Mark-Ra­vens­berg an den Kur­fürs­ten von Bran­den­burg kamen. Der Kon­flikt war damit aber noch lange nicht aus­ge­stan­den. Was zu­min­dest blieb, war die Tra­di­ti­ons­bil­dung von Düs­sel­dorf als Haupt- und Re­si­denz­stadt, die im 19. Jahr­hun­dert von den Preu­ßen wie­der auf­ge­grif­fen wurde und schließ­lich dazu führ­te, dass bei der Grün­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vor 70 Jah­ren Düs­sel­dorf Lan­des­haupt­stadt wurde.

  Guido von Büren