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Tod und Be­gräb­nis Her­zog Wil­helms V.

 

Her­zog Wil­helm V. von Jü­lich-Kleve-Berg starb mit 76 Jah­ren am 5. Ja­nu­ar 1592 in sei­ner Re­si­denz­stadt Düs­sel­dorf. Zu die­sem Zeit­punkt hatte er be­reits eine lange an­dau­ern­de Lei­dens­ge­schich­te hin­ter sich: Wäh­rend des Reichs­tags in Augs­burg 1566 er­litt der Her­zog einen ers­ten Schlag­an­fall, dem sich wei­te­re an­schlos­sen. In der Folge war er links­sei­tig ge­lähmt und seine Sprach­mo­to­rik nach­hal­tig ge­schä­digt. Dar­über hin­aus litt er unter Kno­chen­ge­we­be­schwund und an einer Stau­chung der Wir­bel­säu­le. Ste­hen und Sit­zen über einen län­ge­ren Zeit­raum dürf­ten für Wil­helm V. eine Tor­tur ge­we­sen sein. Wäh­rend die frü­hen Por­trät­ge­mäl­de den Her­zog als statt­li­che Ge­stalt zei­gen – er war etwa 1,85 m groß – zei­gen ihn die Al­ter­spor­träts von sei­ner Krank­heit schwer ge­zeich­net.

Die Über­füh­rung des Leich­nams in die Düs­sel­dor­fer Stifts­kir­che St. Lam­ber­tus fand unter großem Ge­prän­ge am 10. März 1592 statt. Der her­zog­li­che Land­schrei­ber Diet­rich Gra­mi­näus ver­fass­te eine aus­führ­li­che Be­schrei­bung der Trau­er­fei­er­lich­kei­ten, die noch im sel­ben Jahr als Buch unter dem poe­ti­schen Titel „Spie­gel und Ab­bil­dung der Ver­gäng­lich­keit“ er­schi­en. Ra­die­run­gen aus der Werk­statt Franz Ho­gen­bergs il­lus­trie­ren den Text. Sie zei­gen die ver­schie­de­nen teil­neh­men­den Grup­pen an dem Trau­er­zug, der sich im In­nen­hof des Düs­sel­dor­fer Schlos­ses auf­ge­stellt hatte und von dort in die Stifts­kir­che zog. Der Text von Gra­mi­näus be­steht wei­ter aus einer Ab­hand­lung über das Recht eines Ver­stor­be­nen auf ein Be­gräb­nis, einer Ge­nea­lo­gie der Her­zö­ge von Kleve sowie einer kur­z­en Le­bens­be­schrei­bung Wil­helms V. Darin heißt es tref­fend, der Her­zog habe „die Zeit mit al­ler­hand Trau­er und Be­schwer­lich­keit zu­ge­bracht“. Der „Spie­gel der Ver­gäng­lich­keit“ ge­hört zu den frü­hen Be­gräb­nis­bü­chern im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich Deut­scher Na­ti­on. In dem sich ver­schär­fen­den Klima der Kon­fes­sio­na­li­sie­rung lässt das Werk in­halt­lich kei­nen Zwei­fel an der ka­tho­li­schen Grund­hal­tung des jü­lich-kle­vi­schen Fürs­ten­hau­ses.

Un­mit­tel­bar nach dem Tod des Her­zogs 1592 wurde unter der Lei­tung von Jo­hann Pas­qua­li­ni d.J. mit der An­la­ge einer Fürs­ten­gruft un­ter­halb des Cho­res der Kir­che St. Lam­ber­tus be­gon­nen. Dar­über wurde im Schei­tel des Cho­res das auf­wän­di­ge Grab­denk­mal aus far­bi­gem Mar­mor er­rich­tet, das von dem Köl­ner Bild­hau­er Ger­hard Sche­ben in den Jah­ren 1595 bis 1599 ge­schaf­fen wurde. Der Auf­bau ori­en­tiert sich an rö­mi­schen Grab­denk­mä­lern der Zeit. Über dem Mit­tel­feld er­hebt sich das her­zog­li­che Wap­pen. Dar­über be­fin­det sich das Re­lief mit der Dar­stel­lung des Jüngs­ten Ge­richts, das be­krönt wird von einem der Wahl­sprü­che des Her­zogs: „In Deo spes mea“ („In Gott ist meine Zu­ver­sicht“). Seit­lich des Mit­tel­baus be­fin­den sich Per­so­ni­fi­ka­tio­nen der Kar­di­nal­tu­gen­den Weis­heit, Ge­rech­tig­keit, Tap­fer­keit und Mä­ßig­keit. Dem Wahl­spruch ent­spre­chend steht die Per­so­ni­fi­ka­ti­on der Hoff­nung an höchs­ter Stel­le, wäh­rend die Figur des auf­er­stan­de­nen Chris­tus das Grab­denk­mal be­krönt: „… es sei der Namen des Herrn ge­prie­sen von jetzt an bis in Ewig­keit“.

 

Guido von Büren