geschichten_oktober-2016_peter-linnartzEin Jü­li­cher des „preu­ßi­schen Jahr­hun­derts“

 

Der am 10.10.1854 ge­bo­re­ne Ko­lo­ni­al­wa­ren­händ­ler Peter Linn­artz, einer der Pro­tago­nis­ten der Aus­s­tel­lung „Das preu­ßi­sche Jahr­hun­dert. Jü­lich, Opla­den und das Rhein­land zwi­schen 1815 und 1914“ (bis 18.12.2016 im Mu­se­um Zi­ta­del­le Jü­lich), ent­stamm­te einer alt­ein­ges­se­nen Jü­li­cher Fa­mi­lie. Be­reits 1874 über­nahm er ge­mein­sam mit sei­nem Bru­der Franz den el­ter­li­chen Be­trieb. Der Groß­han­del mit in- und aus­län­di­schen Spi­ri­tuo­sen mach­te ihn zu einem ver­mö­gen­den Mann. So konn­te er sich zahl­rei­che Rei­sen in ent­fern­te Län­der leis­ten. 1877 hatte er seine ein­jäh­ri­ge Mi­li­tär­pflicht beim Feld-Ar­til­le­rie-Re­gi­ment 23 in Jü­lich ab­sol­viert. 1895 wurde Linn­artz, der der obers­ten Steu­er­klas­se an­ge­hör­te, Stadt­ver­ord­ne­ter und schließ­lich 1903 ers­ter Bei­ge­ord­ne­ter der Stadt Jü­lich. Da­ne­ben war er seit 1894 Vor­sit­zen­der des Jü­li­cher Krie­ger­ver­eins und Bru­der­meis­ter der an­ge­se­he­nen St. An­to­nii- und St. Se­bas­tia­ni-Arm­brust-Schüt­zen­bru­der­schaft. Seit 1883 war er Mit­glied der Ca­si­no-Ge­sell­schaft, deren Schrift­füh­rer er 1899 wurde. 1898 wurde er Mit­glied in der Rad­fah­rer­ver­ei­ni­gung Jü­li­cher Tou­ren­club. Im Jahr 1900 war er Mit­be­grün­der des Ge­wer­be­ver­eins. Neben der Ge­stal­tung des Schloss­plat­zes, der ehe­ma­li­gen Es­pla­na­de vor der Zi­ta­del­le, setz­te er sich für die Grün­dung des Hei­mat­mu­se­ums im He­xen­turm ein, das 1902 er­öff­net wurde und das er selbst mit rei­chen Schen­kun­gen be­dach­te. 1911 wurde Linn­artz ob sei­nes Pa­trio­tis­mus und sei­ner engen Ver­bun­den­heit mit der Mon­ar­chie mit dem Kö­nig­li­chen Kro­nen­or­den IV. Klas­se aus­ge­zeich­net.

Der Schloss­platz war ent­spre­chend sei­ner Vor­schlä­ge mit pa­trio­ti­schen Denk­mä­lern aus­ge­stat­tet wor­den. Mit einem großen Fest von Be­völ­ke­rung, Gar­ni­son und Schu­le wurde 1895 zu Ehren Kai­ser Wil­helms I. und der Toten der „Deut­schen Ei­ni­gungs­krie­ge“ zen­tral auf dem Schloss­platz das „Kreis-Krie­ger-Denk­mal“ ent­hüllt, das der Jü­li­cher Krie­ger­ver­ein seit 1883 ge­plant und für das er Spen­den ge­sam­melt hatte. 1903 folg­te ein Erin­ne­rungs­stein für Kai­ser Fried­rich III., der heute noch vor­han­den ist.

Linn­artz verstarb am 5.2.1918 und er­leb­te damit das Ende des Ers­ten Welt­kriegs und des von ihm so ge­schätz­ten Deut­schen Kai­ser­reichs nicht mehr. Im To­ten­zet­tel heißt es: „Was Jü­lich in der Ver­gan­gen­heit ge­we­sen, dar­über hatte er sich rei­che Kennt­nis­se er­wor­ben, und was in der Ge­gen­wart da vor­ging, das ver­folg­te er mit regem Sinne.“

 

Guido von Büren