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Schloss Rheydt – Re­naissance am Nie­der­rhein

 

Warum steht ein Schloss in Rheydt? Und warum sieht es so aus, wie es sich mit sei­nen Fes­tungs­an­la­gen prä­sen­tiert? Ohne sei­nen wich­tigs­ten Bau­herrn, Otto von By­landt, ist dies kaum zu ver­ste­hen. Und auch nicht, ohne in die Zeit ein­zut­au­chen, in die Archi­tek­tur der Re­naissance. Die Aus­s­tel­lung „Gro­ße Pläne. Schloss Rheydt – Re­naissance am Nie­der­rhein“, die in enger Ko­ope­ra­ti­on mit dem Mu­se­um Zi­ta­del­le Jü­lich vor­be­rei­tet wurde, geht die­sen Fra­gen nach. Der Be­su­cher er­fährt Span­nen­des über das ein­zi­ge reine Re­naissance­schloss des Rhein­lan­des, über des­sen Bau­ge­schich­te, den Archi­tek­ten Ma­xi­mi­li­an Pas­qua­li­ni und vie­les mehr.

 

Schloss Rheydt in Mön­chen­glad­bach ist die ein­zig er­hal­te­ne reine Re­naissance-Schloss­an­la­ge im Wes­ten Deutsch­lands. Ihr Archi­tekt, Ma­xi­mi­li­an Pas­qua­li­ni, war Sohn von Ales­san­dro Pas­qua­li­ni, dem Bau­meis­ter des Her­zogs von Jü­lich-Kleve-Berg. Die­ser stamm­te aus Bo­lo­gna und ge­hör­te zu den ers­ten Archi­tek­ten, die von dort aus in den Nord­wes­ten Eu­ro­pas gin­gen und die nie­der­län­disch-rhei­ni­sche Re­naissance­bau­kunst be­grün­de­ten. Die Archi­tek­tur war durch die Her­kunft der Bau­meis­ter ita­lie­nisch do­mi­niert, ver­band aber lan­des­ty­pi­sche Ele­men­te mit die­sen Ein­flüs­sen. In Schloss Rheydt lässt sich die Ent­wick­lung die­ses Bau­stils sehr gut nach­voll­zie­hen. Es ist Stein ge­wor­de­nes Zeug­nis eines kul­tu­rel­len Aus­tau­sches in einer noch nicht von na­tio­na­len Denk­wei­sen ge­präg­ten Welt.

 

Rheydt war eine an sich eher klei­ne und un­be­deu­ten­de Herr­schaft im Grenz­ge­biet zwi­schen den be­deu­ten­den Fürs­ten­tü­mern Köln und Jü­lich bzw. den Bi­stü­mern Köln und Lüt­tich. Die Her­ren zu Rheydt hat­ten je­doch stei­le Kar­rie­re in po­li­ti­schen und Ver­wal­tungs­diens­ten ge­macht. Sie waren auf dem Sprung in die Reich­sun­mit­tel­bar­keit und damit in der po­li­ti­schen Hier­ar­chie di­rekt unter den Reichs­fürs­ten an­ge­sie­delt. Die­ses Selbst­ver­ständ­nis, ver­bun­den mit den Denk­wei­sen und Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis­sen der Zeit, er­klärt die hohe ar­chi­tek­to­ni­sche Qua­li­tät der An­la­ge, die weit über ein „pro­vin­zi­el­les“ Schloss hin­aus­geht.

 

Die Aus­s­tel­lung „Gro­ße Pläne. Schloss Rheydt – Re­naissance am Nie­der­rhein“ ar­bei­tet das Wesen und die Be­son­der­hei­ten der Schloss­an­la­ge her­aus. Die ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Ein­flüs­se sol­len deut­lich wer­den, die spe­zi­el­len Merk­ma­le ita­lie­nisch-nie­der­län­di­scher Re­naissancear­chi­tek­tur, das Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis der Bau­her­ren und die Be­deu­tung des po­li­tisch-so­zia­len Um­fel­des. Die Leit­fra­gen sind letzt­lich: Warum steht ein Schloss in Rheydt? Wie wurde es er­rich­tet und wes­halb in genau die­ser Form?