geschichten_dezember-2016_abbJü­lich im Blick einer Fürs­tin

 

Über Jahr­hun­der­te bil­de­te Jü­lich einen wich­ti­gen Etap­pen­ort. Un­zäh­li­ge Rei­sen­de nutz­ten die Stadt mit ihrer Post­sta­ti­on für eine Rast. Hier­zu zähl­te auch die Fürs­tin Pau­li­ne zur Lippe (1769–1820) im Jahr 1807. Früh ver­wit­wet, setz­te sie sich in den stür­mi­schen Zei­ten der Re­vo­lu­ti­ons- und Be­frei­ungs­krie­ge re­so­lut und er­folg­reich für das Über­le­ben ihres klei­nen Herr­schafts­ge­biets ein. 1807 reis­te sie des­halb von Det­mold nach Paris, um per­sön­lich bei Kai­ser Na­po­le­on I. vor­zu­spre­chen. Mit der Grün­dung des Rhein­bun­des 1806 hatte sich das Hei­li­ge Rö­mi­sche Reich Deut­scher Na­ti­on auf­ge­löst. Zahl­rei­che Herr­schaf­ten ver­schwan­den von der Land­kar­te und gin­gen in grö­ße­re Struk­tu­ren auf. Das Fürs­ten­tum Lippe war dem Rhein­bund bei­ge­tre­ten, seine Ei­gen­stän­dig­keit war damit aber noch nicht ge­si­chert. Strei­tig­kei­ten zwi­schen Lippe und dem be­nach­bar­ten Fürs­ten­tum Schaum­burg-Lippe mach­ten die Un­ter­re­dung mit Na­po­le­on un­um­gäng­lich. Am 22. Ok­to­ber 1807 fand diese dann tat­säch­lich auf Schloss Fon­tai­nebleau statt.

Auf der Hin­rei­se war Pau­li­ne zur Lippe am 12. Ok­to­ber 1807 durch Jü­lich ge­kom­men. In ihrem Rei­se­ta­ge­buch hält sie dazu fest: „In zwey Stun­den roll­te der Wagen (von Köln) bis Berg­heim, wo wir … schnell Pfer­de wech­sel­ten und nach Jü­lich wei­ter fuh­ren. Es ist ein freund­li­ches Städt­gen, hei­ter und an­ge­nehm mit einem großen Markt­platz, auf dem wir um­her­gien­gen, und mit Fes­tungs­wer­ken, an wel­chen stark ge­ar­bei­tet wurde.“

Zu die­ser Zeit ar­bei­te­te das fran­zö­si­sche Mi­li­tär an einem Aus­bau der Fes­tung Jü­lich mit dem Brücken­kopf auf dem lin­ken Ru­ru­fer und einem Kranz von vor­ge­scho­be­nen Vor­wer­ken, so­ge­nann­ten Lü­net­ten, um die Stadt herum.

Auf ihrer Rück­rei­se kam Pau­li­ne zur Lippe am 5. De­zem­ber 1807 wie­der durch Jü­lich: „… um 1 Uhr (kamen wir) nach Jü­lich … Wir ver­weil­ten eine Stun­de, die Wir­thin woll­te uns (ü)be­re­den, dort zu über­nach­ten, weil St. Ni­co­laus tag sey, wo alle Ael­tern den Kin­dern flim­mern­de Bäume, Ge­schen­ke und Gaben aus­t­hei­len; es wäre dann gar zu hübsch, hin­ter den Schei­ben alle die Er­leuch­tun­gen der ver­schie­de­nen Häu­ser zu sehen, wann man die Stra­ßen auf- und ab­gien­ge. … Auch sie woll­te ihre Kin­der be­schen­ken … so kauf­te ich mir ein Mor­gen­kleid zu Ehren des hei­li­gen Ni­co­laus und zum An­den­ken Jü­lichs. Nicht so voll­kom­men ge­lang es dem (mit­rei­sen­den Det­mol­der) Re­gie­rungs­rath, er hatte Sä­me­reyen und Korn­ar­ten, un­ge­wöhn­lich im Va­ter­lan­de, ge­samm­let und auch schon auf der Hin­rei­se vor­züg­li­che Zwie­beln hier auf dem Mark­te zu be­mer­ken ge­glaubt. … mit dem Zwie­be­lein­kauf war es Ernst. Wir waren kaum in Jü­lich, so spa­zier­te er auf den Markt, kauf­te schnell und fand – es war Knob­lauch und konn­te des Wohl­ge­ruchs wegen nicht mit­ge­nom­men wer­den!“

  Guido von Büren