Six and Four Team2017webNir­va­na, Pearl Jam und Se­pul­tu­ra: Als das Gi­tar­renStu­dio „Six and Four“ 1992 an­trat, um junge Mu­sik­be­geis­ter­te die hö­he­ren Wei­hen der mehr­sai­ti­gen Musik zu ver­lei­hen, war Grun­ge noch jung, und der Heavy Metal löste sich von dem kleb­ri­gen Main­stream-Ge­wand der 80er Jahre. Hajo Hint­zen, Ma­rei­ke Herr­mann, Olaf Butt­ler und Mar­cel Witt­feld setz­ten aber auch ver­stärkt auf Klas­sik, Pop und Jazz. Der Er­folg war dement­spre­chend. Vier Leute, acht Arme, sechs Sai­ten und ein Pro­jekt: Das Stu­dio Si­x­an­dFour wurde zu­erst als Luft­schloss ge­baut.

 

Auf die Idee ge­kom­men ist Hajo Hint­zen: „Ich stand kurz vor mei­nem Ex­amen an der Aa­che­ner Mu­sik­hoch­schu­le, und mach­te mir Ge­dan­ken, wie ich mei­nen Le­bens­un­ter­halt nach mei­nem Stu­di­um fi­nan­zie­ren soll­te.“ Rosig waren die Zei­ten kaum, und schon gar nicht in der Musik.

 

Weil das Land NRW nicht nur arm ist, son­dern da­mals schon arm war, muss­te in den Mu­sik­schu­len ge­spart wer­den. Es gab nur noch Ho­no­rar­stel­len für ein oder zwei Nach­mit­tage pro Woche. Die Folge: Woll­te ein Mu­sik­leh­rer von sei­nem Beruf leben kön­nen, muss­te er meh­re­re Ho­no­rar­stel­len er­gat­tern. Für Hajo Hint­zen ein un­mög­li­ches Un­ter­fan­gen: „Da diese Stel­len si­cher­lich nicht an einem Ort ge­we­sen wären, hätte ich ein großes Pro­blem be­kom­men, denn ich bin stark seh­be­hin­dert und darf somit kein Auto fah­ren, bin also auf öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel an­ge­wie­sen.“

 

Warum also in der Ferne schwei­fen? Hajo, be­kannt da­mals schon als der Tiger von Broich, über­leg­te, sich in sei­ner Hei­mat­stadt selbst­stän­dig zu ma­chen. Ein Mu­si­ker kommt sel­ten al­lein und so war schnell klar, dass seine engs­ten Freun­de mit dabei sein soll­ten: Olaf Butt­ler,  Mar­cel Witt­feld und Ma­rei­ke Herr­mann, nicht nur be­ruf­lich die Frau an sei­ner Seite. „Bei uns ist die Musik chro­mo­so­mal ver­an­kert“, er­klärt sie schmun­zelnd auf die Frage, wie sie und Hajo Hint­zen zur Musik kamen und warum sie seit über 20 Jahre diese „Er­b­an­la­gen“ als Le­bens­ge­fühl an die nächs­ten Ge­ne­ra­tio­nen wei­ter­rei­chen.

 

„Ich hatte also die Idee, in Jü­lich ein Stu­dio zu er­öff­nen, in dem qua­li­fi­zier­ter Gi­tar­ren­un­ter­richt ge­ge­ben wird. Mar­cel soll­te dann Leh­rer für E-Gi­tar­re sein, Olaf Bass und Ma­rei­ke und ich soll­ten Klas­si­sche be­zie­hungs­wei­se Akus­tik­gi­tar­re un­ter­rich­ten. Mit die­sem Kon­zept stieß ich bei mei­nen Freun­den auf ein großes Echo und nicht nur bei ihnen. Nach­dem das „was“ und „wie“ ge­klärt war, blieb die Frage des „wo?“. Das Raum­pro­blem klär­te sich schnell, denn die El­tern von Gi­tar­ren­leh­rer Mar­cel Witt­feld stimm­ten so­fort zu, den Anbau des Hau­ses zu er­wei­tern und als Start­hil­fe eine „Freund­schafts­mie­te“ zu ge­wäh­ren. „Un­be­zahl­bar, diese Hilfe“, ist sich das „Six and Four“-Team einig und bis heute dank­bar für die groß­zü­gi­ge Un­ter­stüt­zung. Ein vier­tel Jahr spä­ter war die Nach­fra­ge so groß, dass Mirko Rum zu­sätz­lich als Leh­rer auf­ge­nom­men wurde.

 

straßen_musiker KopiewebEine große Ver­än­de­rung stand im Jahr 2000 an: Der Umzug zum heu­ti­gen Do­mi­zil ins Herz der Stadt, die Jü­li­cher Köln­stra­ße 34, wurde voll­zo­gen. Einen Wech­sel hatte es auch im Per­so­nal ge­ge­ben: Mar­cel Witt­feld grün­de­te in Los An­ge­les das Eagle-Rock-Stu­dio, in Jü­lich hatte Lutz Sis­te­nich die Schü­ler über­nom­men.

 

Im Lauf der Jahre wur­den ei­ni­ge hun­dert Schü­ler von 4 bis 75 Jah­ren aus­ge­bil­det, man­che haben auch Kul­tur- und Mu­sik­be­ru­fe ge­wählt.  „Mu­sik ist Freu­de, schult den Cha­rak­ter und durch selbst­ge­mach­te Töne las­sen sich Lust wie Frust in be­son­de­rer Weise aus­drücken. Sie ist zu­gleich Nah­rung und Aus­druck der Seele“, brin­gen es Hajo Hint­zen und Ma­rei­ke Her­manns auf den Punkt. Neben der Un­ter­richt­stä­tig­keit sind die Leh­rer auch selbst mu­si­ka­lisch aktiv und prä­sen­tie­ren sich in zwei Kon­zer­ten. Hajo Hint­zen, Ide­en­ge­ber und Kopf Gi­tar­ren­stu­di­os „si­x­and­four“, star­te­te als Au­to­di­dakt im Alter von 10 Jah­ren das Gi­tar­re spie­len, drei Jahre spä­ter kamen erste Er­fah­run­gen in einer ei­ge­nen Band – erst mit 15 Jah­ren gab es den ers­ten Gi­tar­ren­un­ter­richt. Das Be­rufs­ziel wuchs, Mu­si­ker zu wer­den und wurde mit dem Mu­sik­stu­di­um „Kon­zert­gi­tar­re“ an der Mu­sik­hoch­schu­le Köln Ab­tei­lung Aa­chen – Ne­ben­fach: Kla­ri­net­te – Wrk­lich­keit. Der Ab­schluss: Dipl. In­stru­men­tal­päd­ago­ge. Seit­her lehrt, rockt und singt sich der Mu­si­ker über die Büh­nen des Lan­des auch über die Gren­zen sei­ner Hei­mat­stadt Jü­lich hin­aus. Ak­tu­ell live zu hören ist Hajo Hint­zen an der E-Gi­tar­re bei der Co­ver­band 6 aus 49, akkus­tisch in dem World-Jazz-Trio „Strings are chan­ging“, beim Duo Eli­xier und der Ge­sangs­grup­pe Brisamt. Au­ßer­dem kon­zer­tiert Hajo Hint­zen auf den klas­si­schen Büh­nen als So­list und Or­che­s­ter­mu­si­ker.

 

Ma­rei­ke Herr­mann ent­deck­te mit zwölf Jah­ren die Lei­den­schaft für die Gi­tar­ren­sai­ten.Nach dem Stu­di­um der klas­si­schen Gi­tar­re an der Mu­sik­hoch­schu­le Köln Ab­tei­lung Aa­chen mit dem Ne­ben­fach Block­flö­te zu Dipl. In­stru­men­tal­päd­ago­ge, legte sie noch ein künst­le­ri­sches Auf­bau­stu­di­um für Gi­tar­re in Köln nach – par­al­lel zur Lehr­tä­tig­keit im Stu­dio „six and four“. Keine Wün­sche offen ließ schließ­lich die Ent­de­ckung des zwei­ten Trau­m­in­stru­ments: Kla­ri­net­te. Mit 29 Jah­ren in­fi­zier­te sich Ma­rei­ke Her­mann mit dem Kla­ri­net­ten-„Vi­rus“ und be­gann eine lei­den­schaft­li­che und in­ten­si­ve Aus­bil­dung. Im Sin­fo­nie­or­che­s­ter Berg­heim spielt sie Solo-Kla­ri­net­te, war 2014 und bei Ge­le­gen­heit  Mit­glied im Pro­jek­tor­che­s­ter Rhei­ni­sche Blä­ser­phil­har­mo­nie und ist kam­mer­mu­si­ka­lisch aktiv.

 

Olaf Butt­ler be­setzt den Schwer­punkt Jazz und Po­pu­lar­mu­sik als Ab­sol­vent des Kon­ser­va­to­ri­ums Maas­tricht. Seine Mu­si­klei­den­schaft star­tet an den Kla­vier­sai­ten mit acht Jah­ren, ehe mit 15 Jah­ren der Kon­tra­bass in sein Leben tritt. Kurze Zeit spä­ter erste Or­che­s­te­rer­fah­rung im Col­le­gi­um Mu­si­cum Jü­lich. Mit 17 Jah­ren wird der E-bass ent­deckt. Die ers­ten Ban­der­fah­run­gen, denen eine Viel­zahl fol­gen soll, wer­den ge­macht – und der Ra­di­us er­wei­tert sich. Neben der Un­ter­richt­stä­tig­keit ist Olaf Butt­ler seit Mitte der 1990er im Köln/Düs­sel­dor­fer Raum als E-Bas­sist in ver­schie­de­nen Sti­lis­ti­ken aktiv, zeit­wei­se als fes­tes Band­mit­glied der in­ter­na­tio­na­len Gala­band The Clou Ex­pe­ri­ence. Der­zeit zupft und slappt er den Bass bei den For­ma­tio­nen Salao, D’sama M’butu Ar­ke­stra, les Ri­co­chets, ist er als fes­tes En­sem­ble­mit­glied des Ra­tin­ger Tra­göd­chens, Black Heat, Pe­a­ches and Mushrooms und di­ver­sen Co­ver­bands in NRW un­ter­wegs.

 

Mirko Rum lern­te sein Sai­ten-Hand­werk an der Hoch­schu­le der Küns­te Arn­heim und als Meis­ter­schü­ler von Prof. Frank Haun­schild an der Hoch­schu­le für Musik und Tanz Köln. Der ge­bür­ti­ge Dü­re­ner ist so­wohl auf Live-Büh­nen, unter an­de­rem an der Seite von Laith Al Deen, Culcha Can­de­la, Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger, Ste­fa­nie Heinz­mann,  An­nett Loui­san und Gitte Haen­ning als auch auf TV-Büh­nen zu Hause. Bei „Deutsch­land sucht den Su­per­star“ spiel­te er in der RTL – live Band, eben­so spiel­te er über 150 Mal bei „Hast Du Töne“ mit Matt­hi­as Op­den­hö­vel / VOX auf und in der „Ka­rao­ke Show­down“ mit Mirja Boes / RTL. Als Song­wri­ter konn­te Mirko Rum sich mit einer Gol­de­nen Schall­plat­te schmücken.

 

Lutz Sis­te­nich ist seit 1998 im Team mit dem Schwer­punkt Jaz­z­gi­tar­re. Der ver­siert in Blues-, Rock­gi­tar­rist ver­mit­telt das Begleit-Fin­ger­picking sowie klei­ne Aus­flü­ge in den Punk. Er sagt von sich selbst: „Nach Ver­su­chen auf Wan­der­gi­tar­re und an der Block­flö­te“ kam die Wende mit 17 und die Lei­den­schaft für das Jaz­z­gi­tar­ren­spiel. Bald wird Lutz Sis­te­nich klar, dass er eine mu­si­ka­li­sche Lauf­bahn ein­schla­gen wird. Ge­dacht, getan: Das Stu­di­um der Po­pu­lar­mu­sik an der Ho­ge­school voor de Kuns­ten in Arn­heim, Nie­der­lan­de, folgt. Die ak­tivs­te Büh­nen­zeit hatte Lutz Sits­te­nich zwi­schen 1999 und 2005, als mit dem E-Gi­tar­ren-Trio „Das Klei­ne Or­che­s­ter“ un­ter­wegs war. Seit etwa 2009 liegt der Schwer­punkt auf der Lehr­tä­tig­keit.

Do­ro­thee